“Wir bereiten uns auf das nächste Spiel vor.”

Foto: FC Viktoria 1889

Der Berliner Verein FC Viktoria 1889 steht im Moment auf Platz 1 der Regionalliga Nordost. Jedoch konnte seit dem Beginn der langen Lockdownphase im November kein Ligaspiel mehr ausgetragen werden. So stehen nun 11 Siege in 11 Spielen auf dem Konto des himmelblauen Traditionsvereins. Wir sprechen mit Sportdirektor Rocco Teichmann über die aktuelle Situation.

Schön, dass Sie Zeit für ein Interview finden. Im Moment ist ja wegen Corona im Amateurfußball die Hölle los. Ich möchte zunächst aber dennoch erstmal fragen: Ist in Berlin neben Rot-Weiß und Blau-Weiß noch Platz für Himmelblau? Ist diese Stadt groß genug für drei Proficlubs?

Natürlich ist Berlin groß genug für einen dritten Profiklub und es wird Zeit, dass die Hauptstadt auch in der 3. Liga vertreten ist. Wir arbeiten hart daran, um sowohl sportlich als auch abseits des Platzes reif für den Aufstieg zu sein. Das ist unser Ziel und wir sind zuversichtlich, den Schritt nach oben in diesem Sommer zu machen.

Mal angenommen, dass Viktoria in die 3. Liga aufsteigt, wo muss sie sich vor allem von Union und Hertha abgrenzen?

Foto: FC Viktoria 1889

Es geht nicht darum, sich von anderen Klubs abzugrenzen. Wir konzentrieren uns darauf, dass wir unsere Hausaufgaben erledigen. Ende vergangenen Jahres haben wir in Berlin-Mariendorf ein eigenes Trainingszentrum erworben, das war ein Quantensprung für unseren Verein. Denn hier finden unsere Mannschaften beste Bedingungen vor, zudem werden wir das Gelände mittelfristig weiterentwickeln, auch ein Nachwuchsleistungszentrum errichten. Wir wollen erster Anlaufpunkt für die Top-Talente der Region werden und aufzeigen, dass der Weg in den Profifußball beim FC Viktoria 1889 möglich ist.

Wir haben einen Traum, den Aufstieg in die 3. Liga

Lassen Sie uns über die aktuelle Saison sprechen. Es muss doch klar gewesen sein, dass wegen Corona keine normale Spielzeit zustande kommen würde. Hat der Stopp der Regionalliga Nordost die kühnsten Alpträume übertroffen?

Wir haben einen Traum, nämlich den Aufstieg in die 3. Liga. Als Verein bestimmen wir nicht darüber, wann eine Saison unterbrochen oder eben fortgesetzt wird. Wir schauen auf die Dinge, die wir beeinflussen können und vertrauen darauf, dass die zuständigen Behörden in einer für alle schwierigen Situation die richtigen Entscheidungen treffen. 

Nun steht Viktoria seit November mit 11 Siegen aus 11 Spielen auf Platz 1. Mal angenommen es kommt kein Spiel dazu und Sie steigen auf. Käme bei dieser Sache überhaupt Freude auf? Was wäre der sportliche Wert dieser Saison?

Wenn wir am Ende in die 3. Liga aufsteigen sollten, dann wird die Freude groß sein. Ob das nach elf Spieltagen, nach der Hinrunde oder unter welchem Modus auch immer ist. Die Mannschaft hat bisher überragende Leistungen gezeigt, alle Spiele gewonnen und ist die erfolgreichste aller Regionalligen, nicht nur im Nordosten. Ich kann mir schwer vorstellen, dass jemand den Aufstieg als unverdient bezeichnen würde.

Manchmal gibt es wichtigere Dinge als Fußball

Während in der Staffel Nord und Nordost der Ball ruht, wird beispielsweise im Westen und Südwesten weiter gespielt. Schaut man dort mit etwas Neid rüber oder gönnt man den Clubs dort eher die Möglichkeit die Angelegenheit sportlich auszutragen?

Foto: FC Viktoria 1889

Natürlich würden wir sehr gern spielen, aber manchmal gibt es wichtigere Dinge als Fußball und wenn entschieden wird, dass der Betrieb in unserer Staffel ruhen muss, dann akzeptieren wir das. Wenn es weitergeht, werden wir bereit sein.  

Inwieweit hat Viktoria, haben Sie, versucht auf die Politik Einfluss zu nehmen, dass der Spielbetrieb nicht unterbrochen werden muss?

Es geht nicht darum, Einfluss auf die Politik zu nehmen, sondern eine belastbare Lösung zu finden, die der Situation gerecht wird. Wir befinden uns in einem sehr konstruktiven und positiven Austausch mit den Verbänden und den Behörden.

Beschreiben Sie bitte Ihr persönliches Frustationslevel!

Null! Wir können es nicht ändern, nehmen die Situation an, wie sie sich darstellt und ich spüre, dass wir beim FC Viktoria 1889 noch enger zusammengerückt sind. Wir haben die Zeit genutzt, um uns weiterzuentwickeln, haben die Verträge mit unserem Trainer Benedetto Muzzicato und einigen Spielern verlängert, den Kader mit Björn Jopek verstärkt. Da war kein Platz für Frust. 

Kann ein Verein, der sich nicht im vollen Umfang sportlich für einen Aufstieg qualifizieren konnte und dem es entsprechend an Spielpraxis mangelt, gut gerüstet das Projekt „Profifußball“ angehen?

Wenn wir am Ende in die 3. Liga aufsteigen, dann werden wir auch bereit sein, diese große Herausforderung anzunehmen. Wir sind davon überzeugt, dass unsere Mannschaft schon jetzt die nötige Qualität hat, um eine Klasse höher zu bestehen. Daher sind wir uns im Verein einig, dass wir uns nur punktuell verstärken müssten.

Wir haben keine Sorgen unsere Partner zu verlieren

Bereiten Sie schon einen Aufstieg vor? Es ist ja noch möglich, dass im Frühjahr gespielt werden wird.

Wir bereiten uns auf das nächste Spiel vor. 

Nach dem Aus des chinesischen Unternehmers Alex Zheng vertraut Viktoria nun den Hamburger Unternehmern Tomislav und Zeljko Karajica. Wie groß ist die Sorge, dass man erneut einen solchen Partner verliert? Immerhin ist die Viktoria der Verein mit der größten Abteilung aktiver Fußballer in Deutschland. Trägt man da als Sportdirektor nicht eine extrem große Verantwortung?

Da überhaupt kein Anlass dazu besteht, haben wir keine Sorgen, unsere Partner zu verlieren. Die Gesellschafter haben sich klar positioniert, sie wollen den FC Viktoria 1889 langfristig begleiten, unterstützen den Verein mit ihrem Know-how in verschiedenen Bereichen. Der bereits erwähnte Kauf des eigenen Trainingszentrums ist nur ein Beispiel, das dieses Vorhaben untermauert.  

Zum Schluss ein mutiger Blick in die Glaskugel: Wo steht Viktoria Berlin am 1. März 2022 und wie wird die Sportstadt Berlin zu Ihrem Verein stehen?

Wir wünschen uns, dass wir dann mit der 1. Herren eine gute Rolle in der 3. Liga spielen, unsere Fans mit mutigem, offensiven Fußball begeistern, neue Anhänger gewinnen konnten und schon in die Planungen für die Saison 2022/23 einsteigen können. Dazu, dass unsere 1. Damen weiter so erfolgreich spielt wie bisher und sich unsere U17 sowie U19 für Furore in der Junioren-Bundesliga sorgen.

Herr Teichmann, vielen Dank für das Interview.

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