Wie man es macht, es ist falsch

Die Meisterschaft wird wie immer auch rhetorisch vorbereitet. Ein Club will immer Meister werden. Ein anderer versucht zaghaft Ambitionen zu formulieren. Zwei weitere Bundesliga-Protagonisten könnten Ansprüche anmelden, scheinen sich aber trotz reeller Chancen mit einer reinen Qualifikation zur Champions League zufrieden zu geben. Man bekommt den Eindruck: Wie man es macht, es ist falsch.

Landet die „Salatschüssel“ endlich mal nicht im Bayern-Museum?

Pit Gottschalk hat vollkommen recht! Wieder einmal verstecken sich alle Clubs oder ducken sich weg, wenn wieder die Frage gestellt wird: Wollen Sie Meister werden? Werden Sie dem „Und täglich grüßt das Murmeltier“-Meister von der Säbener Straße die Stirn bieten?

Die Umstände sind eigentlich günstig. In Leverkusen bleibt nun auch mit Diaby ein Spieler, der jedem Weltklub, und nicht nur dem Werksklub, gut zu Gesicht stünde. Insgesamt bleibt der Kader beisammen und am Rhein formiert sich eine potenzielle Spitzentruppe. In Leipzig blieb man bislang von schmerzhaften Abgängen verschont und wer weiß, welchen braven Zinnsoldaten das Farmteam aus Salzburg noch versendet oder in welcher Schublade in Fuschl noch eine Million liegt, mit der man bummeln gehen kann.

Drama um Haller als Chance

Dramatisch gestern die Meldungen vom BVB. Sébastien Haller kann man nur schnelle Heilung und Besserung wünschen. Edin Terzic fiel die schnelle Rückkehr in den Alltag wahrlich schwer. Da hat Sebastian Kehl ein wirklich spannendes und vielversprechendes Ensemble zusammen gestellt, bei dem man nicht zwingend den „Brecher mit dem Babyface“ Erling Haaland vermissen muss.

Und nun wollte man zum Angriff auf die Meisterschaft blasen, doch plötzlich knallt so eine Hiobsbotschaft rein. Aber jetzt kommt die unpopular opinion: Eine Spitzenmannschaft muss das wegstecken können! So bitter es klingt: Borussia Dortmund muss dieses persönliche Unglück seines Topstürmers als Chance begreifen. Jetzt zeigt sich Charakter und, in Dortmund wird man jetzt genau weghören, Mentalität. Alles andere zu tun, wäre jetzt sicherlich falsch.

Es gibt also allerorten, wo man einen Verhinderer der Münchner Dauerfeier wähnen könnte, sehr gute Gründe, um das absolute Topziel zu formulieren. Tut man aber bislang nicht und proklamiert lieber Platz 4 als Saisonziel. Ob das die Oberen von Bayer und Red Bull und die Shareholder des BVB auf Dauer so hinnehmen wollen und sollten, ist zweifelhaft.

Und was macht der „Gejagte“?

In München feiern sie Sommerparty. Für Quälgeist Robert Lewandowski (2014 ablösefrei gekommen) generiert man ein Transferplus im Komfortsektor, fliegt zum Geldverdienen in die USA, während der Rest der Liga sich vor US-amerikanischen Fernreisen drückt und den Meister dort für die Liga Klinken putzen lässt, und feiert sich zünftig für tolle Transfers. Mané und de Ligt klingen nach Mittwochabend, während die Zugänge aller anderen Vereine eher den Sound von 15:30 Uhr verbreiten.

Und satt scheint man in München noch nicht zu sein. Verhandlungen mit dem hier unbekannten Mathys Tel laufen bereits, Oliver Kahn lobt ihn bereits gen Himmel und Brazzo sammelt Bonusmeilen. Und man bekommt das Gefühl: Selbst das war es noch nicht. Übrigens: Es war scheinbar nicht falsch, nicht an Niklas Süle fest zu halten. De Ligt könnte ihn schnell vergessen machen. Seine Rückennummer hat er schon.

Nun erklingen Stimmen, die die Ausgaben des FC Bayern in Zeiten von Inflation und Energiekrise kritisieren. Aber im Zirkus Profifußball geht es weniger um Solidarität denn um Spektakel. Tätigten sie nicht diese großen Transfers und läge man nach dem 4. Spieltag nur auf Rang 4 der Liga, könnte man sich die Kommentare heute schon ausmalen: „Geiz-Bayern versparen sich die Meisterschaft“, „Brazzos Transferbilanz ein Desaster!“ und und und.

In Berlin-Köpenick investiert man und alle jubeln

Bei Union Berlin feiert man jedes Investment in Beine statt in Steine

Stattdessen tun die Bayern, was sie tun müssen: Sie investieren das Geld, das sie einnehmen, in Beine. Gleiches tut man in Berlin-Köpenick auch, wo Union-Präsident Dirk Zingler die Doktrin laut vorgibt: Die Kohle aus den Wettbewerben investieren wir in die Mannschaft. In Berlin jubeln sie ihm zu und bundesweit wird Oliver Ruhnerts Transfergeschick gehuldigt. Ist halt Kult!

Was auch immer der FC Bayern unternimmt, egal ob Zurückhaltung oder volle Pulle – es wird kritisiert. Dabei handeln sie vernünftig und im Interesse des Vereins. Und Oliver Kahn sagte im Sonderheft der 11FREUNDE richtig, dass für die Aufholjagd schon noch die anderen verantwortlich sind. Der Eindruck, den die Öffentlichkeit über Bayerns Aktivitäten vermittelt, ist klar: Wie sie es machen, ist es falsch.

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