WENN KREFELD FÄLLT, STÜRZT NUR DER KFC

Foto: © A.Savin, WikiCommons

Der KFC Uerdingen und sein russischer Investor machen seit geraumer Zeit fast nur noch negative Schlagzeilen. Nun versucht man mit Stefan Effenberg wieder mit einen prominenten Namen Aufsehen zu erregen. Ob das gelingt? Darüber macht sich Stephan Gerteis Gedanken – ein Kommentar.

Jetzt ist es also soweit! Der KFC Uerdingen macht sich komplett zum Gespött der deutschen Fußballlandschaft. Er stellt Stefan Effenberg als neuen Manager für das Resort Sport vor. Derselbe Stefan Effenberg, der bei seiner letzten sportlichen Haltestelle SC Paderborn 2016 restlos enttäuscht hat und vor allem durch sein Nichtstun aufgefallen ist, als Wilfried Finke, der ehemalige Präsident des SC Paderborn, arrivierte und vor allem verdiente Spieler wie Mahir Saglik und Daniel Brückner vor die Tür setzte.

Fußballerisch habe ich unter Stefan Effenberg bei Paderborn damals keinerlei Handschrift erkennen können. Die Formel, dass ein ehemaliger Weltklassespieler auch gleichzeitig ein hervorragender Trainer oder Manager ist, trifft selten zu. Gerade bei Effenberg ist das meiner Meinung nach so. Als Spieler war er ein absoluter Leader. Manche nannten ihn auch, wegen seiner Fähigkeit voran zu gehen, einen “Aggressive Leader”. Dass er als Spieler Mannschaften mitreißen kann, hat er in München, Florenz und Mönchengladbach zu genüge bewiesen. Doch genau diese Fähigkeit konnte er nicht auf die Karriere nach der Spielerkarriere umlegen.

Jetzt stellt sich die Frage, wie er mit dieser für Ihn völlig neuen Situationen als zukünftiger Manager umgeht. Als Manager gehst du nicht nur für Dich alleine voran, sondern du musst das große Ganze im Blick haben. Manager sein, heißt nicht nur Transfers tätigen, einen neuen Trainer organisieren und hier und da ein wenig beratend und motivierend zur Seite stehen. Ein moderner Geschäftsführer Sport muss den gesamten Verein im Blick haben. Angefangen von den klassischen Abläufen im Büro, über Sponsorensuche und -pflege, das Führen von Mitarbeitern, Kaderplanung, Betreuung der Jugendabteilung, Kontakt zu den Fanclubs, Arbeit mit Caterern, dem Umbau oder Neubau eines Stadions usw. Das und noch vieles mehr muss ein Manager im Fußballwesen heutzutage beachten. Bedenkt man den Hintergrund, dass Stefan Effenberg bisher noch nie auf dieser oder einer ähnlichen Position Erfahrungen gesammelt hat, kommt mir diese Personalentscheidung umso absurder vor.

Des Weiteren ist bei ihm kein Insiderwissen vorhanden. Stefan Effenberg hat sich die letzten Jahre vor allem während seiner Tätigkeit als TV Experte, fast ausschließlich mit den ersten Ligen und europäischen Wettbewerben beschäftigt. Für so eine herausfordernde Aufgabe, ein gekentertes Schiff wie den KFC Uerdingen wieder auf Kurs zu bringen, benötigt man vor allem auch einen Fachmann, der die heimische dritte Liga wie seine Westentasche kennt. Vor allem benötigt der KFC Uerdingen jemanden, der voll und ganz bei der Sache ist und nicht jemanden, der nebenbei weiterhin TV-Experte und Kolumnist bleiben möchte. Den fußballerischen Sachverstand möchte ich Stefan Effenberg nicht absprechen, jedoch die Fähigkeit diesen komplex und ausgefeilt in der Praxis anzuwenden.

Effenberg hat sich für meine Verhältnisse zu spät dafür entschieden, doch noch auf den Zug der Offiziellen aufzuspringen. Erst 2012, 8 Jahre nach seinem Karriereende, entschied er sich seinen Trainerschein zu machen. Vor kurzem absolvierte er zusätzlich in Montabaur bei der ADG (Akademie Deutscher Genossenschaften) ein Managementprogramm. Bei diesem ging es aber vor allem um die Synergienförderung zwischen Raiffeisenbanken und Fußballvereinen und die Abwicklung von Transfers sowie um Fragen rund um den Neubau von Stadien. Vor allem, finde ich, müssen seine Aussagen auch zu seinen Taten passen. Erst letztes Jahr ließ Effenberg verlauten, dass er sich nicht mehr vorstellen kann als Trainer oder Manager in Deutschland zu arbeiten. Das Ausland allerdings würde ihn schon reizen, denn laut seiner Aussage hat er seinen Trainerschein ja nicht umsonst gemacht. Schon nach einem Jahr wirft er diese Aussage wieder über den Haufen und startet in das Himmelfahrtskomanndo KFC Uerdingen. Nicht nur dass Stefan Effenberg seine Glaubwürdigkeit schon vor langem verloren hat, er legt nun seine definitiv letzte hochwertige Chance im Profifußball in die Hände eines unberechenbaren russischen Oligarchen, der, wenn es schlecht laufen sollte, auch vor einem bekannten Gesicht wie Effenberg bei einer eventuellen Entlassung keinen Halt machen wird. Denn es geht ihm rein um sein Investment. Nicht um den Verein, die Menschen dahinter, die Fans, die Infrastruktur, eine geregelte Zukunft oder Wertschöpfung. Nein, es geht Ponomarev rein um den schnellen Erfolg.

Diese Kurzsichtigkeit wird den ehemaligen deutschen Pokalsieger von 1985, sehr wahrscheinlich in den endgültigen Ruin treiben und er wird wieder in die Bedeutungslosigkeit verschwinden, in der er war, bevor die Bayer AG damals ihre Investitionen getätigt hat.

Apropos Bayer: der Pharmakonzern hat zwar sein Geld aus dem Krefelder Fußball gezogen, ist aber weiterhin sehr aktiv in der Förderung des Krefelder Breitensports unterwegs. Den Verein SC Bayer Uerdingen 05 gibt es nach wie vor. Somit nimmt Bayer wenigstens sein soziales Engagement gegenüber der Stadt Krefeld weithin sehr ernst. Ein Engagement, von dem die Menschen rund um den KFC Uerdingen leider nur träumen können. Außerhalb des KFC Uerdingen gibt es in Krefeld auch noch andere Fußballvereine wie den BV Union Krefeld, SuS Krefeld, FC Viktoria Krefeld, SV Oppum, CSV Marathon Krefeld, den VfR Krefeld 1920 und einige mehr. Ein Zeichen dafür, dass der Fußball in Krefeld lebt und das auch mit hoher Wahrscheinlichkeit ohne einen KFC weiterhin tun würde.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*