Vom Kneipen- zum Profisport – die Veränderung der Darts-Welt

Foto: Sven Mandel

In den vergangenen Tagen ist die Darts-WM in London zu Ende gegangen. TV-Kommentator Elmar Paulke hat dies zum Anlass genommen, um sein Buch „Perfect Game“ herauszubringen. Die Entwicklung des Sports in den vergangenen Jahren macht er vor allem anhand von Biografien von neuen Spielern am Darts-Himmel deutlich.

„Jeder kann es ausüben, ob er dick oder dünn, groß oder klein, ob er arm ist oder reich – Darts kann jeder spielen. Darts ist ein Sport, der von gewöhnlichen Menschen ausgeübt wird, die ungewöhnliche Fähigkeiten haben.“ Dieses Zitat des englischen Sportpromoter Barry Hearn aus dem Buch „Perfect Game“ zeigt die Faszination des Darts-Sports. 

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In seinem vierten Buch widmet sich TV-Kommentator und Spiegel-Bestseller-Autor Elmar Paulke der Professionalisierung des Sports in den vergangenen Jahren. Mit einer Verzahnung von mehreren Biographien von Spielern der „neuen Generation“ und einem Corona-Tagebuch gelingt ihm ein guter Mix zwischen Hintergrund, Aktualität und eigenen Gedanken und Gefühlen. Das Buch ist so aufgebaut, dass sich ein tiefgründiger, informativer Teil mit der Entwicklung des Darts-Sports während der Corona-Pandemie abwechselt. Der Untertitel des Buches „Eine neue Ära im Profi-Darts“ hat Paulke bewusst gewählt. Zu Beginn macht er klar, dass die Zeit der früheren Topstars wie des 16-fachen Weltmeisters Phil Taylor oder des fünffachen Titelträgers Raymond van Barneveld vorbei ist. Dafür strömen seit einigen Jahren neue Spieler in die Elite des ehemaligen Kneipensports. Es sind Spieler, die von den neuen Strukturen und der stetig zunehmenden Anzahl der Turniere profitieren. Paulke nimmt sich für die Portraits der Spieler viel Raum. Bei Fallon Sherrock, der ersten Frau, die es bis in die dritte Runde der Weltmeisterschaft schafft, wird beispielsweise von ihrem autistischen Sohn berichtet. Der Experte, der jahrelang die WM im legendären Alexandra Palace in London kommentierte, nimmt Sherrock als Beispiel für Frauen in einem von Männern dominierten Sport. Sein Rückblick in die Anfänge des Frauen-Darts und seine Kritik am mageren Preisgeld und der fehlenden Bereitschaft der Weltverbände, sich mehr für das weibliche Geschlecht zu engagieren, sind Stärken des Buches. 

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Paulke schafft nicht nur eine historische Grundlage, er übt auch Kritik an Verbänden und Spielern. Dank der ausführlichen Biographien der Akteure bekommt man einen guten Einblick in die Charaktere. Als Beispiele seien hier die emotionale und etwas provokante Art des ehemaligen Rugby-Spielers und frisch gekürten Weltmeisters Gerwyn Price oder das Structogramm-Training der deutschen Darts-Hoffnung Gabriel Clemens genannt. Stark ist auch, wie Paulke es schafft, den Leser in den Bann zu ziehen. Sein Stil ist so gewählt, dass man das Gefühl hat, live dabei zu sein. Er hat nahezu jeden geworfenen Dart im Kopf – und das unabhängig davon, ob es um die WM 2020 geht oder um ein Turnier in den 2000ern. Eine kleine Schwäche hat das Buch dennoch: Der 50-Jährige schreibt für eine Nische. Der Leser wird von Beginn an mit Fachbegriffen und Abkürzungen konfrontiert. Dafür wäre ein Glossar sinnvoll gewesen. Zudem stören manchmal Wiederholungen: Paulke beschreibt Ereignisse auch im hinteren Teil des Buches nochmals, obwohl sie vorher schon mehrmals vorkamen und erklärt wurden. Dies soll jedoch nicht den positiven Gesamteindruck schmälern. Der Darts-Experte schafft es mit den Worten für den Sport zu begeistern und die Spieler und Persönlichkeiten, die dahinter stecken, leidenschaftlich zu beschreiben. Zudem bringt er mit seinen regelmäßigen Tagebucheinträgen auch immer wieder eine ganz persönliche Note mit ein und sorgt dafür, sodass man ein Gefühl dafür bekommt, wie Paulke „sein Sport“ fehlt. 

“Perfect Game” ist bei Edel Books erschienen und in allen guten Buchhandlungen erhältlich.

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