Robin Gosens – Ein erfrischend ehrliches Fußball-Buch

©atalanta.it

In der Presse liest man seinen Namen momentan überall: Robin Gosens hier, Robin Gosens dort. Bei der Fußball-Europameisterschaft zeigte er starke Leistungen. Über seine ungewöhnliche Karriere hat er nun ein Buch geschrieben, in dem viele erwartbare Seiten des Fußballgeschäfts unerwartet direkt auf den Punkt gebracht werden und das mit seiner Authentizität überzeugt.

Ehrlichkeit und damit auch eine hohe Identifikation. Wenn man das Buch von und über Robin Gosens liest, sind das die ersten Assoziationen, die ich damit verbinde. Der Weg des Senkrechtstarters der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft in das Profigeschäft ist ungewöhnlich. Gosens, der das Buch mit dem Titel „Träumen lohnt sich“ zusammen mit Journalist Mario Krischel geschrieben hat, beschreibt sein Leben so, dass der Leser sofort eine Verbindung mit dem Protagonisten herstellt. Man kann sich seine beschauliche Kindheit in Elten an der niederländischen Grenze genauso gut vorstellen, wie es schwierig ist, den Vater als eigenen Trainer zu haben. 

„Ich war ein Vollidiot“

Als Jugendlicher ist er guter Kicker, spielt im ambitionierten Jugendfußball, aber für ganz oben reicht es nicht. Aber das ist zunächst auch gar nicht sein Ziel. Gosens will Polizist werden. Als kleines Kind hat ihn sein Opa ins Polizeiauto gesetzt – das prägt ihn. Viel wichtiger als der Ausblick aufs Profi-Geschäft und mögliche Jugendakademien sind ihm die Abende mit seinen Jungs. Mit denen gönnt er sich vor den Spielen das eine oder andere hochprozentige Kaltgetränk. Er berichtet von seinen Alkohol-Abstürzen – ehrlich und authentisch. Genauso wie es ihm peinlich und sehr unangenehm ist, zu Schulzeiten einen Mitschüler gemobbt zu haben. „Es tut mir leid. Ich war ein Vollidiot, der es nicht besser wusste.“ Diese Worte nimmt man ihm ab – also ich zumindest. 

Auch von seinem Reinfall beim Probetraining als 17-Jähriger bei Borussia Dortmund schreibt er schonungslos. „Ich wusste schon nach fünf Minuten nicht mehr, wo oben und unten war. Ich würde überlaufen, ausgespielt, auseinandergenommen.“ Das Kapitel endet mit den Worten „Aus mir würde nie ein professioneller Fußballer werden. Nie.“ 

Über einen niederländischen Zweitligisten in die Serie A

Durch einen Zufall gelangt er in die A-Jugend des niederländischen Erstligisten Vitesse Arnheim. Doch auch dort klappte nicht alles. Perspektivisch die erste Mannschaft im Sinn hatte er kaum Chancen, dort wirklich hinzukommen.

Edel Books

Der Grund: Das Team hat eine Kooperation mit dem FC Chelsea, der junge Spieler in die Niederlande schickt, damit sie dort Spielpraxis bekommen. Aber Gosens steckte nicht auf. Nicht ohne Grund ist der Untertitel des Buches „Mein etwas anderer Weg zum Fußballprofi“. 

Über die Stationen des niederländischen Zweitligisten FC Dordrecht, mit dem er in die erste Liga aufstieg und Heracles Almelo, kommt er bei Atalanta Bergamo in Italien an. Dazwischen gibt es eine Menge Ärger mit Beratern und möglichen anderen Vereinen, die Interesse hatten. 

Spannend ist, dass das Buch nicht chronologisch aufgebaut ist. Es gibt Zeitsprünge – im ersten Kapitel geht es um die nahe Vergangenheit und das Champions-League-Spiel von Atalanta gegen den FC Valencia, im folgenden Abschnitt um seine Kindheit. Damit erzeugen die Autoren eine natürliche Spannung, weil man wissen will, wie es weitergeht. 

Wechsel zum Herzensverein scheitert

Mittlerweile spielt Gosens seit vier Jahren in Bergamo. In diesem Sommer wird er schon wieder bei vielen anderen – auch europäischen Top-Vereinen – gehandelt. Auch von Transfer-Verhandlungen berichtet der 27-Jährige ganz offen. So spricht er über den gescheiterten Wechsel zu seinem Lieblingsverein FC Schalke 04. „Ich fuhr also in den Urlaub in der Hoffnung bald Schalker zu sein.“ Aber daraus wurde nichts – im Rückblick zu seinem Vorteil, wie er später selbst schreibt. 

Beachtlich ist auch die Haltung des Kickers gegenüber der Presse. Er sagt, was er denkt. Er ist ein Typ. In einem Kapitel kritisiert er die Medien für das Erhaschen von Sensationen, obwohl es eigentlich keine Nachricht(en) gibt. Aber nicht nur das Verhalten der Berichterstatter, auch die Äußerungen von Kickern bemängelt er: Dann nämlich, wenn sie etwa nach einem Wechsel in die Emirate von einer „Chance“ sprechen und seiner Meinung nach nicht ehrlich sind, weil sie in erster Linie wegen der Verdienstmöglichkeit gegangen sind. Ein lesenswertes Buch!

“Träumen lohnt sich” von Robin Gosens ist im Verlag Edel Books erschienen und ist gut sortierten Buchhandel stationär als auch online erhältlich. 

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