Quo vadis Amateursport in Deutschland?

Foto: pixarbay

Seit letztem Montag ist klar: in Berlin darf wieder in allen Sportarten der Betrieb weitergehen. PLATTSPORT-Redakteur Maximilian Konrad ordnet das in einen bundesweiten Kontext ein und vergleicht den Berliner Weg mit den Umgangsweisen anderer Bundesländer. 

Die Erleichterung in Berlin am Anfang dieser Woche ist groß. Es geschah am Montag, den 13. Juli. Endlich dürfen Amateursportler wieder Kontaktsport betreiben – damit steht dem Trainingsbetrieb in sämtlichen Sportarten nichts im Wege. Klar: Sport treiben war davor auch schon möglich – allein oder in kleineren Gruppen im Park oder Ähnliches. Aber für Mannschaftsportarten wie Fußball, Basketball, Handball und viele weitere war dies ein wichtiges Signal. So sagte beispielsweise Berlins Innensenator Andreas Geisel: „Beim Amateurfußball ist damit ab sofort voller Trainingsbetrieb erlaubt, mit dem Ziel zum Saisonbeginn im September den Wettkampfbetrieb freizugeben“, so Geisel weiter. Zur „Kontaktverfolgung und sofortigen Eindämmung bei etwaigen Infektionsgeschehen“ müssten aber „grundsätzlich Teilnehmerlisten erstellt“ werden. 

Für mich tritt hier bereits ein gewohntes Bild ein: Ich spiele Basketball in einem Verein in Nordrhein-Westfalen. Wir dürfen bereits seit einigen Wochen trainieren. Jedes Mal bittet uns unser Trainer, die Teilnehmerlisten auszufüllen. In den ersten Trainingseinheiten gingen wir erstmal laufen, um unsere Kondition zu verbessern. Mittlerweile ist auch wieder Kontaktsport erlaubt: Der aktuelle Stand in NRW ist, dass bis 30 Menschen in der Halle Kontaktsport betreiben dürfen. Wir entscheiden – je nach Wetterlage – ob wir drinnen oder draußen trainieren. 

Was machen Erwachsenenteams, die Sportler haben, die jünger und älter als 27 Jahre sind?

In Brandenburg ging man dagegen einen ungewöhnlichen Weg: Zunächst erlaubte das Land Ende Juni Kontaktsport für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Oder anders ausgedrückt: Die bis dato geltende Abstandsregel für Menschen bis 27 Jahren war nicht mehr gültig. Das sorgt bei Sportvereinen für Unklarheiten. Klar war die Freude erstmal groß, dass Sport in vollem Umfang wieder möglich ist – aber dann nur für Menschen bis 27 Jahren? Der Grund für den Beschluss: Die Abstandsregelung gelte nicht im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit. Und Angebote der Sportvereine für junge Menschen seien Jugendarbeit im Sinne des Sozialgesetzbuches (SGB VIII). Bis 27 besteht auch Anspruch auf Kindergeld oder etwa BAföG. Irgendwie verständlich, aber was machen Erwachsenenteams, die Sportler haben, die jünger und älter als 27 Jahre sind? Dass die beschlossene Regelung ihre Tücken hat und nicht ewig gelten kann, fiel dem Brandenburg wenig später auf. Nur zwei Tage nach der ersten Anordnung entschied die Landesregierung: Das Abstandsgebot für Mannschafts- und andere Kontaktsportarten unter freiem Himmel entfällt auch für Erwachsene. Aber: Im Innenbereich gilt weiterhin die Regel, mindestens 1,5 Meter Abstand zu Personen, die nicht dem eigenen Haushalt angehören, zu halten. Hier erfolgt also eine Trennung zwischen Hallen- und Freiluftsport. 

Was die drei Beispiele zeigen sollen: Neben den allgemeinen Entscheidungen wie Maskenpflicht, Kontaktbeschränkungen und weiteren Dingen herrscht auch im Amateursport Uneinigkeit zwischen den Bundesländern. In einigen Regionen sind Dinge seit Wochen erlaubt, während sie anderen gerade erst wieder oder vielleicht sogar noch gar nicht möglich sind. Das führt zu Verwirrungen, aber auch zu Ärger oder Neid. Gerade die sportliche Bewegung, der Ausgleich zum Zuhauseseinmüssen, ist wichtig in diesen Tagen. Auch deshalb, weil man vor allem in Mannschaftssportarten auch mal Menschen außerhalb der eigenen Familie sieht und auch mal über andere Dinge sprechen kann. 

Sicher geht es immer in erster Linie darum, das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten, es idealerweise zu vermeiden. Und wodurch gelingt das im Sport? Durch Nachvollziehbarkeit: Deshalb bleibt diese auch am wichtigsten. Mit wem habe ich zusammen trainiert? Liegt vielleicht in der Familie von meinen Mannschaftskollegen ein Fall vor? Wenn ja, ist hier Transparenz wichtig. Aber davon gehe ich persönlich in einem Mannschaftssport aus: Ich halte es für selbstverständlich, dass mein Teamkollege mir mitteilt, wenn in seinem näheren Umfeld eine Coronafall auftritt. Vielleicht hätte man unter dieser Maxime dem Sport auch schon früher eine Chance geben können, in das Leben der Bevölkerung zurückzukehren.

Da nun der Trainingsbetrieb im Amateursport wieder weitestgehend erlaubt ist, kommen die nächsten Fragen: Wann ist der Wettkampf wieder möglich? Unter welchen Bedingungen? Und darf es Zuschauer geben? Wenn ja, wie viele? In NRW ist die zulässige Zuschauerzahl vor kurzem von 100 auf 300 Menschen erhöht worden. In Brandenburg heißt es: Ab sofort dürfen der Trainings- und Wettkampfbetrieb mit Zuschauern sowie jegliche Veranstaltungen mit Gästen durchgeführt werden. Dabei gibt es keine zahlenmäßige Begrenzung. Es wird lediglich auf das Verbot von Großveranstaltungen verwiesen. Und dieses gilt deutschlandweit bis mindestens Ende Oktober. Meist werden diese mit 1000 Zuschauern und mehr beschrieben. Für Amateurvereine in den unteren Ligen kein Problem – dort gibt es meist nur wenige Dutzend oder vielleicht mal ein paar hundert Fans. Aber einige Fußball-Regionalligisten sind schon darauf angewiesen, dass sie durch einige tausend Zuschauer Einnahmen generieren. Es wird spannend sein, zu erleben, wie die Politik aber auch die Vereine den Amateursport in den nächsten Wochen und Monaten gestalten. Unsere Basketballsaison in NRW soll übrigens Anfang November losgehen. Mal schauen, was bis dahin noch passiert.

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