NRW-Corona-Konzept im Sport: Gut gemeint, aber schlecht umgesetzt

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Eigentlich sollten sich die Amateursportler freuen, dass es in den letzten Wochen einige Lockerungen in Bezug auf den Sport gab. Doch die Beschlüsse der NRW-Landesregierung rufen eher Kritik hervor.

Seit vergangenen Samstag gibt es in Nordrhein-Westfalen wieder die Möglichkeit, Kontaktsport im Freien bis zu zehn Personen zu betreiben. Davor war es nur individuell möglich oder im Fitnessstudio. Profisportvereine und Leistungssportler aus Einzeldisziplinen wie Schimmer, Leichtathleten und Co. konnten zudem einzeln bei den zuständigen Behörden anfragen, ob sie in Kleingruppen trainieren dürfen – natürlich nur mit unter den gegebenen Abstandsregeln und mit einem Hygienekonzept.

Außerdem ist es seit dem 30. Mai möglich, wieder Wettkämpfe im Breiten- und Freizeitsport im Freien durchzuführen. Voraussetzung hierfür ist selbstverständlich ein Hygiene- und Infektionsschutzkonzept. Und genau diese neue Regelung sorgte gerade beim Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW), der für die Fußballvereine im Ruhrgebiet zuständig ist, für Verwirrung. Der FLVW hatte zunächst Anfang März den Spielbetrieb vorübergehend unterbrochen. Dann folgte ein ewiges Hin und Her, weil sich der Verband schwer tat, eine endgültige Entscheidung über den Saisonausgang zu treffen. Fest stand – und da waren sich Verband und der große Teile der Vereine einig – dass die Saison abgebrochen wird und nicht mehr fortgesetzt wird – auch nicht zu einem Zeitpunkt im Herbst, was manche andere Fußballverbände in Deutschland als Lösung bevorzugen. Ende April war der Saisonabbruch dann beschlossene Sache und es gab auch schon klare Regelungen, wie man Auf- und Abstieg umgegangen werden sollte.

Dementsprechend traf die Entscheidung der Landesregierung, den Wettkampfbetrieb ab Ende Mai wieder zu ermöglichen, auf große Verwunderung auf Seiten des FLVW. Damals schoss Verbandspräsident Gundolf Walaschewski scharf gegen das Land und sprach von einem „Öffnungs-Überbietungswettbewerb“. Schließlich warf das Land damals alle Pläne der Fußball-Offiziellen, die über Wochen und Monate entstanden waren, über den Haufen. Schließlich entschied sich der FLVW dafür, die Saison trotzdem abzubrechen. Und auch gegenüber den neuen Lockerungen im Trainingsbetrieb, die seit dem 30. Mai gelten, ist der Fußball- und Leichtathletik-Verband kritisch eingestellt. Aktuell dürfen zu Trainingszwecken maximal zehn Sportler auf den Platz: Daher warnt der FLVW vor einer „überstürzten Rückkehr auf die Trainingsplätze“ und spricht davon, „dass kein regulärer Trainings- und Wettkampfbetrieb“ möglich ist. Daher empfiehlt der Verband seinen Vereinen, „bis mindestens 31. Auguste keine Turniere, Freundschafts- oder gar Meisterschaftsspiele auszutragen.“ Außerdem raten die Verantwortlichen davon ab, Training mit Körperkontakt zu absolvieren.

Zudem üben sämtliche Vereine Kritik am Konzept der Landesregierung, weil das Corona-Sport-Konzept Unklarheiten aufweist. Einerseits gibt es unterschiedliche Regelungen zwischen Kreis- und Stadtgrenzen. Sprich: In manchen Regionen sind die Sportplätze noch gesperrt, in anderen jedoch schon offen. In Dortmund überlegt man beispielsweise schon wieder, wie man Sportfeste organisieren könnte. Andererseits tauchen bei vielen Themen Definitionsfragen auf: Was ist eigentlich mit „Wettkampfbetrieb“ im Vergleich zum „Freizeit- und Breitensport“ gemeint? In der Leichtathletik beispielsweise sind Leistungstests oder kleinere Meetings für Spitzensportler erlaubt, aber Sportfeste dürfen noch nicht durchgeführt werden. Andererseits führen in Deutschland einige Landesverbände „Leistungstests“ in mehreren Disziplinen durch: Also eine Veranstaltung, die aussieht, wie ein Sportfest und diesen Charakter auch hat.

Ein ähnliches Problem stellt die Lage mit den neuen Lockerungen auch für alle Vereine dar, die in der Halle aktiv sind. Die Behörden fordern ein umfangreiches Hygienekonzept. In Dortmund beispielsweise ließ die Stadt ihre Klubs ganz schön hängen: Sämtliche Hilfsmittel, um die Vorschriften umzusetzen, müssen die Vereine selbst tragen. Außerdem gibt es kein einheitliches Hygienekonzept der Stadt, sondern dieses gilt je nach aktuellem Zustand der jeweiligen Sportstätte.

In der Halle ist im Gegensatz zum Freien der Kontaktsport sowohl im Training als auch im Wettkampf noch nicht erlaubt. Der Zutritt muss geregelt sein, der Abstand von 1,50 Metern zum Nebenmann gesichert und die Hygiene gewährleistet. Die Nutzung von Dusch- und Waschräumen – ausgenommen Toiletten – , Umkleiden und anderen Zusatzräumen in der Sporthallen sind genauso verboten. In einigen Orten muss die Wiederaufnahme des Trainings sogar mit der Verwaltung abgestimmt werden. Auch müssen die Vereine Anwesenheitslisten mit den Namen aller Trainingsteilnehmer führen und aufbewahren. Insgesamt ein ganz schön hoher Aufwand. Daher sind viele Vereine auch noch nicht in den Trainingsbetrieb zurückgekehrt.

Bei meiner Basketballmannschaft ist es so, dass wir in dieser Woche mit dem lockerem Lauftraining im Freien in die Saisonvorbereitung starten. Ganz ohne Ball – leider. Aber vielleicht auch nicht verkehrt, erst mal wieder ein bisschen in Schwung zu kommen. Andererseits ist Streetball erlaubt: Sprich: das Spielen auf Outdoorplätzen. Da werde ich demnächst mal schauen, was ich nach drei Monaten ohne Ball in der Hand noch so kann.

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