MIR REICHT ES!

In den letzten Tagen häuften sich die Meldungen über rassistische Zwischenfälle im Sport. Redakteur Martin Tetzlaff platzt nun die Hutschnur.

Als Stephan und ich vor einem Jahr diesen Podcast und das gesamte Projekt “PLATTSPORT” starteten, hatten wir einfach genug von Dingen, die im Sport, und speziell im Fußball, schief liefen und bis heute laufen. Wir sprachen von krankhaften Summen, die im Fußball zirkulieren, von Prozessen, bei denen stets das Geld vor den Menschen kommt, von Egomanen, die den Sport für eigene (monetäre) Interessen missbrauchen und gebrauchen und auch über das Thema “Rassismus”, “Homophobie”, “Frauenfeindlichkeit” und “übertriebener Kapitalismus”, womit sich der Kreis schnell wieder schließt. 

Gestern dann musste meinem Missmut eine Autobahn gebaut werden:

Jetzt könnte man gleich mit der ganz großen Keule kommen: Politik hat im Sport nichts zu suchen.
Wer das behauptet, lügt sich natürlich in die Tasche. Die intelligenten Menschen vom “Textilvergehen” haben sich für meine Maßstäbe kurz und präzise zu diesem Thema positioniert und diese Haltung teile ich auch.

Worum es mir geht ist, dass mich erschreckt in welcher Häufigkeit und Unverfrorenheit inzwischen Menschen mit anderer Hautfarbe, Religion, Herkunft etc. Opfer von Diskriminierung auf der ganz großen Bühne (Profifußball und live im TV) werden und nicht in ganzer Härte des Gesetzes und der Statuten dagegen vorgegangen wird. 

Da gibt es den jüngsten Fall von Moussa Marega vom FC Porto, der beim Auswärtsspiel bei Vitoria Guimarães mit Affenlauten beschallt wird und aus Protest und gegen alle Widerstände das Spielfeld verlässt. Kommt die ganz harte Strafe gegen die Gastgeber? Punktabzug, hohe Geldstrafe im siebenstelligen Bereich und/oder Geisterspiele? Es bleibt abzuwarten wie der portugiesische Fußballverband FPF die Vorfälle be- und verurteilt. Erschreckend, dass Marega auch noch vom Schiedsrichter die gelbe Karte zu sehen bekommt, weil er eine Sitzschale, die ihm aus dem Vitoria-Block entgegen geworfen wurde, über den Kopf gehalten hat. Es steht jedem frei nun eine eigene Bewertung zu diesem Thema machen. Meine Meinung: einen Menschen wegen seiner Hautfarbe herabzusetzen, ist niederträchtig und solche Dinge gehören von den Vereinen und Verbänden konsequent und nachhaltig aus dem Stadion verbannt. Für mich ist beispielsweise das Handeln der Fans, Spieler und Vereine im Fall des jüngst rassistisch beleidigten Leroy Kwadwo von den Würzburger Kickers beim Auswärtsspiel bei Preußen Münster sehr löblich, die bundesweite Verbannung in allen deutschen Stadien für gerade mal drei Jahre, geht mir nicht weit genug. Wer sowas tut, verwirkt für mich auf Lebenszeit die Teilnahme an solchen Veranstaltungen. Wer garantiert mir denn, dass der Rassist nicht in drei Jahren wieder einen Menschen derart beleidigt?

In diesem Zusammenhang sei auch noch mal der rassistische Vorfall Clemens Tönnies’ zu erwähnen. Wer zwischen seiner Rede letzten August und den Vorfällen gegenüber Herthas Torunarigha keinen Zusammenhang herstellen kann, dem ist auch kaum noch zu helfen. Da muss auch Schalke 04 sich an die eigene Nase fassen, ob man die “Affäre Tönnies” richtig aufgearbeitet hat. Übrigens sehr pikant: Schalkes Strafe hierfür in Höhe von 50.000 Euro fällt niedriger aus als viele Geldstrafen, die der DFB für das Abbrennen von Pyrotechnik verhängt hat. Ein vollkommen falsches Zeichen, das die Vereine nicht dazu animiert, hart gegen rassistische Vorfälle vorzugehen. 

Ein anderer Vorfall, der sich in der vergangenen Woche ereignete, war ein Tweet eines Followers bei Twitter. Ich muss im voraus sagen, dass sich der Nutzer bei mir meldete und zumindest versuchte, klar zu stellen, was seine Absicht war. Seine, ich nenne es mal, äußerst unglückliche Ausdrucksweise zum Thema “Verdient eine Fußballerin im Vergleich zum männlichen Pendant zu wenig” weckte das Patriarchat aus einem Power Nap:

Mal ganz abgesehen davon, dass es jedem klar ist, woher beim Herrenfußball die Summen kommen, die dort zirkulieren, empfand ich einige Äußerungen einiger männlicher Vertreter der Zukunft als sehr bedenklich. Negativbeispiel: “Kein Mann sollte das (Sexismus – die Red.) von irgendeiner Frau vorgeworfen bekommen.”

Was sich Frauen in unserer Gesellschaft an Anfeindungen, Diskriminierungen, Diffamierungen, Beleidigungen und sexistischen Übergriffen gefallen lassen müssen, kotzt mich einfach nur an. 
Ich bin gewiss keiner, der mal für einen derben Scherz nicht zu haben ist, aber es gibt Grenzen. Die beginnen beim Nichtwissen, ob die Gegenüber mit Späßen eigentümlicher Art einverstanden ist oder nicht. Die Grenzen beginnen dort, wo Scham jeder Art berührt und geweckt wird. Keine Frau muss sich das gefallen lassen, was einige Männer von sich geben und gerade im Fußball muss noch viel Arbeit von vernünftigen Menschen geleistet werden, damit Frauen angstfrei in unserer Welt sein dürfen. So auch beim Stadionbesuch. 
Übrigens, und das kommt auch oft zu kurz, geht die Diskriminierung der Frau sogar manchmal von anderen Frau aus, die ihr antikes Weltbild einer Frau übergriffig auf andere Frauen projizieren: “Die soll sich mal nicht so haben. Die Männer machen doch nur Spaß!” Und das mit dem Spaß erwähnte ich ja oben. Das funktioniert nicht ohne Vertrauen, ohne beidseitiges Einverständnis. Am besten lässt man Sexismus ganz bleiben. 

Wir von PLATTSPORT haben das schon häufig formuliert und werden es auch in Zukunft weiter tun: wir erstellen keine Inhalte, Texte, Podcasts usw. für Rassisten, Faschisten, Sexisten und andere widerliche Geister. Wenn Ihr nicht einverstanden seid mit unserer Haltung, haben wir einen Rat für Euch!

An alle anderen sei gesagt: kämpft mit uns für Toleranz, ein friedliches Mit- und Nebeneinander, gegen Diskriminierung jeder Art. Ich danke Euch!

1 Kommentar

  1. Klare Kante! Hier wird ausgesprochen was anständige Menschen denken. Das Schreckliche ist, das sich primitive Naturen verstärkt ermutigt fühlen Menschen zu beleidigen und zu diskriminieren aufgrund von Herkunft, Hautfarbe usw. Im täglichen Leben und im Fussball besonders. Rassisten geht es nicht um Fussball. Sie fühlen sich so überlegen und sind doch so armselig. Das Gleiche gilt für die Herren der Schöpfung die meinen, Frauen können keinen Fussball. Danke für den Beitrag!

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