KEHRWOCHE – Der Bundesliga-Newsletter zum 30./31. Spieltag

Jeden Woche veröffentlichen wir an dieser Stelle den Teil aus der KEHRWOCHE, der sich auf den 1. FC Union Berlin und Hertha BSC bezieht. Kehrwoche ist ein kostenloser Bundesliga-Newsletter made by @KaesekopfDE, der einmal die Woche die News aller 18 Bundesligisten aus der Sicht von 18 Fans, Blogger:innen, Podcaster:innen zu ihren Vereinen wiedergibt – aus einer definitiv nicht von den Vereinspressestellen glattgebügelten Sichtweise. Für Union Berlin schreibt Plattsportler @EisernRalf und für Hertha @sogenannter, der sich auch Aktiv für @Hertha_Stadion @Herthakneipe einsetzt und vor allem bei @HBASE1892 zu hören ist.

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UNION BERLIN

Rückschau: Am 17. April um 17.19 Uhr war es dann auch rechnerisch nicht möglich: der Abstieg des 1. FC Union Berlin aus der 1. Fußballbundesliga. Mit dem 2:1 gegen den VfB und den daraus resultierenden 3 Punkten sowie 43 Punkten insgesamt auf der Habenseite ist ein Abstieg auch rechnerisch nicht mehr möglich – und das bereits nach dem 29. Spieltag. Union und der VfB trafen sich bisher sechs Mal zu Punktspielen und erst im sechsten Anlauf hat es endlich zum ersehnten ersten Sieg gegen den VfB geklappt. Bereits in den ersten Sekunden nach Anpfiff des Spiels war zu erkennen, dass sich Union einiges vorgenommen hatte und liefen die Stuttgarter direkt an, um einen geordneten Spielaufbau möglichst im Ansatz zu verhindern. Beiden Mannschaften war anzumerken, dass sie sich einiges vorgenommen hatten. Der VfB spiegelte die Spielweise von Union und versuchte ebenfalls die Köpenicker durch schnelles Anlaufen am Spielaufbau zumindest unter Druck zu setzen. So entwickelte sich ein Spiel, dass sich hauptsächlich zwischen den Strafräumen abspielte. Beide Abwehrreihen konnten relativ erfolgreich den Gegner vom eigenen Gehäuse fernzuhalten.

Doch in der 20‘ war es dann soweit: zwei rot/weiße Stuttgarter sorgten mit der ersten Chance überhaupt gleich für das erste Tor für Union. Christian Gentner – beim letzten Aufeinandertreffen beider Clubs noch im Dienst des VfB – bediente mit einem sensationellen und mustergültigen ca. 65 Meter Diagonalpass Kapitän Trimmel, der fast von der Torauslinie seine Flanke in den Strafraum flanke wo ein zweiter Stuttgarter, Grischa Prömel, den Ball via Kopf ins Tor der Stuttgarter bugsierte. Jetzt waren die Köpenicker auf Betriebstemperatur. Kurz vor der Halbzeit servierte Trimmel erneut mustergültig eine Flanke in den Stuttgarter Strafraum, die von Petar Musa zum 2:0 verwandelt wurde. Alles sah danach aus, dass Union das Spiel gegen den VfB komplett im Griff hat.

Mit Beginn der 2. Halbzeit schien Union den Faden verloren zu haben, denn der VfB drängte Union in seine Hälfte und erarbeitete sich einige Halbchancen, die bereits in der 49‘ zum Anschlusstreffer führte. Danach verflachte das Spiel zusehends und war durch diverse Zweikämpfe gekennzeichnet. In der 72‘ hatte Max Kruse die Chance, alleinstehend vor dem Stuttgarter Tor einzuköpfen, der Ball ging aber in die 5 Etage übers Tor. Über die Außenmikros war die Reaktion von Max Kruse umgehend zu hören: „Fuck ey“. Union brachte den Vorsprung über die Zeit ins Ziel und sicherte sich damit die wertvollsten 3 Punkte dieser Saison. Lediglich das Verhalten einiger Stuttgarter-Fans in den sozialen Medien war peinlich und unterirdisch. Wahrscheinlich saß der Stachel des Abstieges noch zu tief im Fleisch.

Der 2. Teil der englischen Woche führte den 1. FC Union Berlin am 21.04. Ballspielverein Borussia 09 e. V. nach Dortmund. In den bisherigen 5 Begegnungen mit dem BVB gewann immer die Heimmannschaft und das sollte – ich nehme es an dieser Stelle vorweg – auch nach diesem Spiel so bleiben. Die Köpenicker gingen mal wieder ziemlich schwungvoll in die Partie. Nach einem krassen Fehlpass des Dortmunders Can konnte Union das Spielgerät sehr schnell in Richtung Strafraum bringen und bereits nach 12 Sekunden hätte es 0:1 stehen können, nur leider traf Marcus Ingvartsen mit einem sehr schönen Schlenzer aus ca. 20 Metern nur die Latte des Dortmunder Tores.

Der BVB schien von Unions Spielweise etwas überrascht und kam erst nach ca. 10 Minuten so richtig ins Spiel. Unions Schlussmann Andreas Luthe konnte allerdings alles mit erstklassigen Paraden entschärfen. Union versuchte wie auch in den vorangegangenen Spielen den Gegner durch schnelles Anlaufen und Pressing am Spielaufbau zu hintern und selbst über den schnellen Keita Endo über die Flügel in Richtung Strafraum zu kommen, um Flanken in der Box zu platzieren, die der BVB allerdings alle sauber wegverteidigen konnte. Der Knackpunkt dieser Partie: die 27 Minute. Dortmunds Reus setzte sich gut gegen Unions Verteidigung durch und lief somit auf Andreas Luthe zu der versuchte, den Ball zu klären. Reus fiel und Schiri Schlager entschied auf 11er für den BVB, der auch überprüft wurde. Allerdings ist in der Verlangsamung der Szene zu erkennen, dass Andreas Luthe etwas zurückzog und den Spieler Reus nicht selbst berührte, sondern Reus bereits vor dem Kontakt mit Luthes Trikots im Fallen war. Klare Schwalbe. Warum das der VAR nicht erkannte, bleibt ein Rätsel. Der Elfmeter wurde von Haarland ausgeführt und von Luthe gehalten. Selbst den Nachschuss parierte Unions Torhüter, war dann aber machtlos, als der Ball im dritten Versuch von Reus über die Linie gestochert wurde. Aber auch dieses Tor hätte nicht zählen dürfen, den Reus betritt den Strafraum während der Ausführung des Strafstoßes eindeutig zu früh und verschaff sich dadurch einen irregulären Vorteil. Aber auch das, der Leser wird es sich denken können, ahnten der Schiri oder der VAR nicht. Der BVB kam in Folge immer wieder zu guten und sehr guten Chancen und Union konnte sich im Gegenzug keine klaren Chancen herausarbeiten, die in der Vergangenheit immer zu Toren geführt haben. 20 zu 5 Torschüsse für den BVB sprechen eine klare Sprache. Union musste auf mehr Risiko gehen und drängte den BVB in den letzten 10 Minuten in seine Spielhälfte. Ein BVB-Konter in der 88‘ führte dann zum Endstand von 2:0. Fazit: Union hat gekämpft, ist gerannt (mehr als Dortmund), hatte Pech und hat einen guten Fußball abgeliefert. Lediglich klare Torchancen waren Mangelware. Dortmund hat unterm Strich trotz eines irregulären Elfmeters verdient gewonnen.

News der Woche: Der Sohn einer Mutter namens Covid-19 macht nicht nur den Fans und den Vereinen zu schaffen, sondern auch den traditionellen Kneipen, in denen in normalen Zeiten die Anhänger die Spiele ihrer Klubs live verfolgen. Neben der generellen Gentrifizierung und des damit verbundenen Verdrängens zu Gunsten glattgebügelter Eventgastronomie für Zugezogene und Touris, verstärkt der Virus das Kneipenstärken. Deshalb haben schon vor Monaten Fans angefangen, für ihre Kneipen Geld zu sammeln, damit diese einigermaßen über die Runden kommen. Auf Initiative der Szene Köpenick – der Zusammenschluss aller Ultra-Gruppierungen von Union Berlin –  dem gesamten Verein sowie den Profis wurde die Aktion „Schulter an Schulter“ zur Unterstützung von Union-Fankneipen gestartet. Für 20 Euro kann man ein von der Szene Köpenick gestaltetes T-Shirt käuflich erwerben. Mit dem Kauf eines dieser Shirts gehen 5 Euro an eine Union-Fankneipe, die der Käufer sogar selbst auswählen kann. Also hier entlang und kaufen, am besten gleich zwei T-Shirts.

Union löst sein Versprechen ein und hat auf dem Parkplatz der Fanhaus-Baustelle neben dem Stadion ein Corona-Testzentrum errichtet. Ob mit dem Auto (per Drive-In) oder zu Fuß – wer sich testen lassen möchte, kann das ohne vorherige Terminvereinbarung und vor allem kostenlos. Vor Ort erhält jeder nach der Registrierung einen persönlichen QR-Code, über den man nach 15 Minuten online das Ergebnis des Schnelltests abrufen kann. Wer kein Smartphone besitzt, bekommt sein Testergebnis vor Ort in gedruckter Form. Beide Varianten werden als Nachweis u.a. beim Einkaufen anerkannt.

Vorschau: Am 24. April um 15.30 Uhr empfängt der 1. FC Union Berlin im Stadion an der Alten Försterei den Sport-Verein „Werder“ von 1899 e.V. aus Bremen. Gefühlt ein Spiel, in dem man die Köpenicker als klarer Favorrit dieser Partie sieht. Das dieses Gefühl täuscht beweist ein Blick auf die Geschichts-Statistik dieser Begegnung. Insgesamt viel Mal trafen beide Traditionsvereine bisher aufeinander, wobei den meisten Unionern die letzten beide Spiele vor allem in Erinnerung geblieben sind, die Union jeweils mit 0:2 gewonnen hat. Ältere Unioner werden sich aber noch dunkel erinnern, dass das nicht immer so war. Zum Beispiel 2009 im DFB-Pokal wurde Union 0:5 von Bremen abgefertigt. Auch das erste Aufeinandertreffen in der 1. Bundesliga ging für die Köpenicker mit 1:2 verloren. So kommt eine Statistik von vier Spielen zustande die zwar mit jeweils 2 Siegen für jeden zu Buche steht aber Bremen mit 7:5 Toren den Vergleich anführt. Union sollte also vorbereitet sein, dass dieses Siel kein Spaziergang wird und der Trainer von Bremen, Florian Kohfeldt, seine Mannschaft vor allem bei „alles oder nichts“ Spielen besonders motivieren kann. Für Bremen könnte diese Saison durchaus noch hinsichtlich eines möglichen Abstieges noch sehr gefährlich werden mit gerade einmal 4 Punkten Abstand auf einen direkten Abstiegsplatz.

HERTHA BSC

News der Woche: Selbst ohne Spiele scheint die Idee der Kehrwoche – ca. 100 Wörter pro Rubrik – nicht gemacht für die Vorkommnisse beim Hauptstadt-Club. Der Meldung, dass Pál Dárdai, Co-Trainer Admir Hamzagic und Dodi Lukebakio positiv auf Covid getestet wurden und dementsprechend – ebenso wie Kontaktperson Zecke Neuendorf – zwei Wochen in Quarantäne müssen, folgte kurze Zeit darauf genau das, was viele befürchtet hatten: Mit Marvin Plattenhardt gab es einen vierten Corona-Fall und das zuständige Gesundheitsamt Charlottenburg-Wilmersdorf schickte die komplette Mannschaft in 14-tägige Quarantäne. Arne Friedrich, der zwischenzeitlich schon ein Training leitete und als Interimscoach einspringen sollte, war fortan als Krisenmanager gefragt und machte in Medienrunden, TV-Interviews einen hervorragenden Job. Mittlerweile ist auch der neue Spielplan vorhanden: Die Herthaner, die am 30.04. das erste Mal wieder zusammen trainieren dürfen, müssen am 03.05. in Mainz antreten. Fortan geht es im 3-Tages-Rhythmus weiter. 5 Spiele in 13 Tagen. Ein Mammutprogramm und sicherlich kein Vorteil. Doch bei Hertha begab man sich nicht in die Opferrolle, sondern schaffte eine jetzt-erst-recht-Mentalität. Dem schlossen sich zahlreiche Fans an, welche auf social Media in verschiedenen Videos der Mannschaft Mut Zuspruch. Gemeinsam Hertha für den Klassenerhalt! 

 

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