KEHRWOCHE – Der Bundesliga-Newsletter zum 29. Spieltag

Jeden Donnerstag veröffentlichen wir an dieser Stelle den Teil aus der KEHRWOCHE, der sich auf den 1. FC Union Berlin und Hertha BSC bezieht. Kehrwoche ist ein kostenloser Bundesliga-Newsletter made by @KaesekopfDE, der einmal die Woche die News aller 18 Bundesligisten aus der Sicht von 18 Fans, Blogger:innen, Podcaster:innen zu ihren Vereinen wiedergibt – aus einer definitiv nicht von den Vereinspressestellen glattgebügelten Sichtweise. Für Union Berlin schreibt Plattsportler @EisernRalf und für Hertha @sogenannter, der sich auch Aktiv für @Hertha_Stadion @Herthakneipe einsetzt und vor allem bei @HBASE1892 zu hören ist.

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UNION BERLIN

Rückschau: Es ist der 10. April 2021, 17.18 Uhr – 7.500 mitgereiste Fans des 1. FC Union Berlin feiern in der Allianz Arena in München in ihrer Art und Weise, also singend, ein Unentschieden gegen den großen FC Bayern München, die magische 40 Punkte-Marke und einen Klassenerhalt…

…. So hätte es sein können, nein – sogar sein müssen. Aber leider hat ein Virus auch weiterhin etwas dagegen. Der 1. FC Union Berlin hatte bereits im Heimspiel in der Alten Försterei ein achtbares Unentschieden erreicht, was als Sensation gefeiert wurde. Aber bei den Bayern „dahoam“ die gleiche Leistung noch einmal abzurufen und ohne nur einfach den „Bus im eigenem Strafraum zu parken“, ist schon eine grandiose Leistung, die keine andere Mannschaft in der BuLi in dieser Saison erreichen konnte: in beiden Spielen gegen den FCB nicht zu verlieren. Die Köpenicker versuchten von Beginn an die Bayern mit einem laufintensiven Spiel (5 km mehr als die Bayern am Ende) am schnellen Passspiel zu hintern und körperlich aber fair entgegenzuhalten. Der Matchplan von Union ging in der ersten Halbzeit komplett auf, große Chancen gab es auf beiden Seiten nicht sonderlich. Die erste wirklich gefährliche Aktion des Spieles hatte Union. Nach einer Flanke von Keita Endo kam Marius Bülter völlig frei vor dem Bayern-Keeper zum Kopfball, konnte aber nicht wirklich Druck auf den Ball bringen, sodass Neuer den Ball klären konnte. Klare Chancen konnten sich die Bayern auch in Folge nicht erarbeiten – zu dicht und gut stand die Berliner Abwehr – sodass ein Standard herhalten musste, den zunächst Müller und dann Musiala in einer sehr guten Position im Union-Strafraum erreichen konnte. Musiala konnte den Ball im Berliner Tor technisch perfekt unterbringen und alles sah nach einer Niederlage aus.

Bis 85‘ als Cedric Teuchert schnell reagierte, blitzschnell einen korrekten (!!!) Einwurf zu Robert Andrich brachte, der auf Marcus Ingvartsen ablegt und der das Spielgerät im Tor der Bayern unterbringen kann. Endstand 1:1! Um noch mit einem „Märchen“ aufzuräumen: Der Einwurf von Cedric Teuchert, der zum Ausgleich führte, war völlig korrekt. Als der Ball die Hände verlässt, sind beide Beine auf dem Boden und zum Punkt, dass der VAR den Einwurf hätte überprüfen müssen, sagen die Fachleute von Collinas Erben „…Der VAR hatte nur die Angriffsphase zwischen Einwurf und Torerzielung zu überprüfen, wobei die Art und Weise eines Einwurfs, wie gesagt, laut Protokoll nicht zu einem Check gehören.“   

News der Woche: News 1: Mit dem Unentschieden von Union in München hatte sich Oli Ruhnert als Geschäftsführer Sport wohl mal wieder für eine Einladung für die Dauerwerbesendung „Doppelpass“ auf Sport1 qualifiziert und hatte so die Gelegenheit, auch auf die berechtigten Äußerungen seines Chefs, Vereinspräsident Dirk Zingler, in Richtung DFB zu unterstützen: Der in der Führung zerstrittene Haufen DFB braucht einen kompletten Neuanfang und kritisiert sehr scharf die Reform der Champions League zudem sollten Löw und Bierhoff noch vor der EM abgelöst werden sollten.

News 2: Das Union den zweitkleinsten Etat der Liga hat, ist weithin klar. Aber wenn man nun noch die Leistungen der Mannschaften dagegensetzt, also was der Verein für sein eingesetztes Geld bei den Spielern bekommt, kommen erstaunliche Dinge heraus: Union ist in dieser Wertung Tabellenführer und am anderen Ende ist die alte Dame aus Charlottenburg zu finden. Glaubt ihr nicht? Dann geht einfach auf den folgenden Tweet. Berlin hat die Bundesliga also voll im Zangengriff.

Vorschau: Als am 27. Mai 2919 Union Berlin in der Alten Försterei den Aufstieg in die 1. Bundesliga in der Relegation gegen den Drittletzten der BuLi klar gemacht hat, hieß der Gegner „Verein für Bewegungsspiele Stuttgart 1893 e. V.“ und Stuttgart musste in Folge des Hin- und Rückspiels gegen die Köpenicker den bitteren Gang in die 2. Liga antreten. Bereits am Ende der folgenden Saison war der VfB wieder erstklassig und wird am 17. April um 15.30 Uhr wieder in der Alten Försterei gastieren – fast 2 Jahre nach ihrem Abstieg am gleichen Ort. Neben Union ist sicherlich auch der VfB als Aufsteiger einer der Überraschungsmannschaften der laufenden letzten Saison. Die Stuttgarter konnten sich zu Beginn der Saison sogar bis auf den 5. Tabellenplatz hocharbeiten. Die Köpenicker werden sich sicherlich noch sehr gut an das Hinspiel erinnern und wissen, dass die Stuttgarter unbedingt an schnellen Gegenstößen gehindert werden müssen, zumal mit Sheraldo Becker, Taiwo Awoniyi und dem langzeitverletzten Anthony Ujah nach wie vor die schnellsten Spieler verletzt sind. Mit Platz 7 bzw. Platz 9 sind Union und Stuttgart faktisch Nachbarn. Mit einem Punkt mehr als Stuttgart hat Union bereits die magische 40-Punkte-Grenze erreicht, die der VfB gerne auch klar machen möchte. Union wird an das Bayernsspiel anknüpfen müssen, um die schnellen Spieler der Stuttgarter unter Kontrolle zu bringen. Mit dem Spiel gegen den VfB wird die englische Woche eingeleitet, die für Union dann bereits am kommenden Mittwoch (21.4.) nach Dortmund führt, um dann am 24. April die englische Woche mit Werder Bremen abzuschließen. Richtungsweisende Spiele stehen für den 1. FC Union Berlin an, um vielleicht doch noch das Wort „Europa“ in den Mund nehmen zu können.

HERTHA BSC

Rückschau: Mit dem wiedergenesenen Marton Dárdai, der für Jordan Torunarigha wieder in die 3er-Kette rückte, startete Hertha in die Partie gegen favorisierte, aber zuletzt auch nicht gerade sattelfeste Gladbacher. In einer munteren Anfangsphase war es auch jener Marton Dárdai, der mit einem grandiosen Ball Cordoba auf die Reise schickte. Gladbachs Yann Sommer ging volles Risiko und brachte, wenn auch mit einem leichten Kontakt, Herthas Stürmer zu Fall. Folgerichtig zog Schiedsrichter Patrick Ittrich die rote Karte, was Hertha in die komfortable Situation brachte, die verbliebenen gut 75 Minuten in Überzahl zu spielen. Als kurz darauf Ascacibars abgefälschter Schuss zum 1:0 in den Winkel schlug, standen eigentlich alle Vorzeichen auf einen immens wichtigen Dreier für die Berliner. Leider agierte man in der Folge kopflos. Zwar versuchte man aufs zweite Tor zu gehen, was löblich erscheint, doch agierte man in der Defensivarbeit derart naiv, dass selbst eine F-Jugend die Hände vors Gesicht schlagen würde. So kam Gladbach auswärts, in Unterzahl und in Rückstand liegend in aussichtsreiche Kontersituationen. Plea nutzte dann eine dieser Gelegenheiten zum Ausgleich, ehe Niklas Stark im eigenen Strafraum Thuram sehr plump legte und Lars Stindl den folgenden Elfmeter sicher verwandelte.

Pál reagierte, wechselte gleich dreifach und stellte das System auf ein 4-4-2 um. Hertha war nun deutlich drückender und konnte recht schnell durch Cordoba ausgleichen. In der Folge kam Hertha zwar zu deutlich mehr Chancen, lief jedoch auch immer Gefahr, bei den Gladbacher Kontern dem Knockout zu erliegen. So muss man am Ende dieses 2:2 akzeptieren, auch wenn man an den Reaktionen auf Hertha-Seite erkennen konnte, wie sehr es schmerzte, dass man diese auf dem Silbertablett liegende Chance, sich etwas Luft im Abstiegskampf zu verschaffen, durch mangelnde Cleverness nicht ergriffen hat.

News der Woche: Am Mittwoch wurde bekannt, dass Eintracht Frankfurt und Sportvorstand Fredi Bobic sich zum 31.05.2021 trennen. Dem voraus gingen ein paar widersprüchliche Aussagen in den letzten Wochen. Von außen ist es schwierig zu beurteilen, wer da wie sauber gespielt hat, ob und warum Bobic schon nach der vorherigen Saison aufhören wollte und ob er die Zusage des damaligen Aufsichtsrats hatte, seinen Vertrag nach dieser Saison auflösen zu wollen.

Besser zu beurteilen sind hingegen seine sportlichen Verdienste. Mit einem grandiosen Team, welches er um sich baute, formte er aus einem Abstiegskandidaten mit minimalem Transferbudget einen Pokalsieger, Europa-League-Halbfinalisten und sehr wahrscheinlichen Champions-League-Teilnehmer und formte ein Team, welches nicht nur fußballerische Qualitäten vorzuweisen hat, sondern auch als Einheit und charakterlich über Jahre herausragend funktioniert. Darüber hinaus hatte er mit Kovac und Hütter zweimal ein goldenes Händchen bei der Trainerwahl. All das sind Dinge, wonach man sich bei Hertha BSC sein ganzes Fanleben lang sehnt. Und so ist es logisch, dass man sich bei Hertha BSC schon lange um Fredi Bobic bemüht und vermutlich alle Asse, welche einem die Windhorst-Millionen in die Ärmel spülten, im Poker um Fredi Bobic zog.

Die zahlreichen Berliner Stadttauben, welche schon seit Wochen gurren, dass Fredi zur neuen Saison in Berlin aufschlagen wird, werden wohl sehr bald bestätigt. Zu hoffen ist vor allem, dass Fredi sich hier, ohne Bruno Hübner, Ben Manga oder Alex Hellmann, welcher in Fanfragen eine bessere Ansprache hat, als Fredi Bobic, ein ähnlich gutes Team basteln kann. Mit Arne Friedrich ist zumindest eine Person bereits im Verein, die man sich im sportlichen Bereich sehr gut als „Mitspieler“ vorstellen kann.

Vorschau: geht es gegen das aktuell wahrscheinlich spielerisch stärkste Team im Abstiegskampf, nämlich den FSV Mainz 05. Die Mainzer treten mit einer breiten Brust an, nachdem sie am letzten Wochenende das enorm wichtige Duell gegen den FC Köln in der Nachspielzeit für sich entscheiden konnte. Das brachte die Mainzer auf Platz 14 und in die Situation, dass man mit einem Sieg gegen Hertha schon 5 Punkte Abstand zwischen sich bringen würde. In Anbetracht der Tatsache, dass die Spiele immer weniger werden, ist aus Berliner Sicht ein Punkt eigentlich schon fast zu wenig.

Offen ist die Frage, ob Pál nach den Erfahrungen gegen Gladbach bei der 4er-Kette der zweiten Hälfte bleiben wird, da sich die 3er Kette als alles andere als Sattelfest erwies. Auch ist Sami Khedira, der mit seiner Erfahrung der Mannschaft Ruhe und Takt vorgibt, ebenso ein Kandidat für die Startelf, wie Außenstürmer Radonjic, der gegen Gladbach ein sehr ordentliches Spiel nach seiner Einwechslung machte. Im Tor wird weiterhin Alexander Schwolow stehen, da Rune Jarsteins Quarantäne-Zeit nach seiner COVID-Erkrankung zwar abgelaufen ist, er aber nach wie vor mit den Symptomen zu kämpfen hat. Bei Hertha ist er nach Jordan Torunarigha der zweite (bekannte) Fall eines an COVID erkrankten Spielers, welcher auch nach der Infektion noch mit Symptomen und Nachwirkungen zu kämpfen hat. Auch (aber sicher nicht nur) aus diesen Gründen, sehen die Nationalmannschaftsreisen noch absurder aus, als sie es eh schon sind.

 

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