KEHRWOCHE – Der Bundesliga-Newsletter zum 27. Spieltag

Jeden Donnerstag veröffentlichen wir an dieser Stelle den Teil aus der KEHRWOCHE, der sich auf den 1. FC Union Berlin und Hertha BSC bezieht. Kehrwoche ist ein kostenloser Bundesliga-Newsletter made by @KaesekopfDE, der einmal die Woche die News aller 18 Bundesligisten aus der Sicht von 18 Fans, Blogger:innen, Podcaster:innen zu ihren Vereinen wiedergibt – aus einer definitiv nicht von den Vereinspressestellen glattgebügelten Sichtweise. Für Union Berlin schreibt Plattsportler @EisernRalf und für Hertha @sogenannter, der sich auch Aktiv für @Hertha_Stadion @Herthakneipe einsetzt und vor allem bei @HBASE1892 zu hören ist.

Wer auch die News zu den anderen BuLi-Mannschaften lesen will,  kann diesen kostenlos hier abonnieren

UNION BERLIN

Rückschau: „Und damit zum Positiven: Union! Was für eine formidable 2:5-Niederlage in Frankfurt. Und was für ein Spektakel! Das Spiel hätte auch 6:5 gewonnen werden können…“  schreibt der Berliner Kabarettist und bekennende Hertha-Fan Frank Lüdecke in seiner Tagesspiegel-Kolumne „Auslaufen mit Lüdecke“ zum Spiel des 1. FC Union Berlin bei der Frankfurter Eintracht am Sonnabend und hat dabei nicht einmal Unrecht. Die Eisernen gingen von Beginn an voll auf Angriff und hätten bereits nach wenigen Sekunden mit 0:1 in Führung gehen müssen, als ein Frankfurter in aller letzter Not das Spielgerät von der Linie kratze. Stattdessen geht die SGE im direkten Gegenzug mit einem schnellen Spielzug in Führung. Union schüttelte sich kurz und schaltete wiederum auf Angriff, sodass sich die Berliner zahlreiche Möglichkeiten erspielten. Keine 5 Minuten nach dem 1:0 konnte Max Kruse für Union in der 7‘ den Ball am Frankfurter Keeper vorbei ins Tor legen. Die nachfolgende Überprüfung des Spielzuges, der zum Tor führte, wurde durch den VAR überprüft.

Denn Julian Ryerson hatte den Ball im Frankfurter Sechzehner nicht nur erkämpft und auf Kruse abgelegt, sondern dabei Frankfurts Hasebe mit dem Stollen am Oberschenkel erwischt. Dass dieser Treffer dennoch für gültig erklärt wurde, scheint in der exklusiven Betrachtungsweise des Kölner Kellers zu legen. Union machte auch danach weiterhin Dampf, sodass zahlreiche nahezu 100%ige Chancen daraus resultierten, die aber immer in letzter Not von den Frankfurtern bereinigt werden konnten. Dass die Eintracht bis zur Halbzeit mit insgesamt drei Schüssen aufs Union Tor vier Treffer landeten ist eine weitere Besonderheit des Spiels, denn in der 35‘ spielte der Berliner Robert Andrich einen No-Look-Ball auf seinen Keeper Andreas Luthe direkt ins eigene Tor.

Union versuchte in Folge mit hochstehenden Verteidigern weiter Druck aufzubauen. Diesen Umstand ausnutzend schickte Frankfurt seine schnellen Spieler Kostic und Silva mehrfach mit schnellen Kombinationen Richtung Union-Tor. So kam es, dass die SGE innerhalb von 3 Minuten 2 weitere Tore erzielte und Kruse kurz vor der Halbzeit nur noch auf 4:2 verkürzen konnte. Auch in der 2 Halbzeit stürmte Union weiter und die Hessen schaltete einen Gang zurück. Zahlreiche hochkarätige Chancen der Berliner waren die Folge, aber keine fand den Weg ins Tor. So endete das Spiel mit 25 Torschüssen der Berlinen gegenüber nur 9 Torschüssen der Frankfurter aber mit einem Endstand von 5:2 für die SGE. Schlussendlich: Die Unioner haben dennoch mehr richtig als falsch gemacht.

News der Woche: Mit dem doch für viele Fußballkenner überraschenden und vor allem anhaltenden Erfolg von Union Berlin sowie der daraus resultierenden Festsetzung in der oberen Tabellenhälfte der Fußballbundesliga, spielen sich natürlich auch Unions kickende ausländische Angestellte in den Blickpunkt ihrer jeweiligen Nationalmannschafts-Coaches. In der nun anstehenden Länderspielpause stellt Union so viele Profis ab wie noch nie zuvor, um bei der kommenden WM-Qualli für ihre jeweiligen Heimatländer zum Einsatz zu kommen, wobei Nico Schlotterbeck für das U21-DFB-Team bei der EM zum Einsatz kommen soll. Neben Schlotti sind auf Reisen: Christopher Trimmel (Österreich), Marcus Ingvartsen (Dänemark), Julia Ryerson (Norwegen), Petar Musa (Kroatien, U21), Joel Pohjanpalo (Finnland) und – wie Mathias Bunkus vom Kurier berichtet – eigentlich sogar noch Unioner Nr. 7 Sheraldo Becker für Surinam, wenn er nicht verletzt wäre.

Vorschau: Boca Juniors vs River Plate, Austria vs Rapid, Celtic vs Rangers, Partizan Belgrad vs Roter Stern, Olympiakos vs Panathinaikos, Al-Ahly vs El Zamalek und jetzt folgt am 4. April um 18 Uhr in der Alten Försterei das 4. Aufeinandertreffen in der BuLi von Klein vs Groß, 76,20 Millionen vs 224,70 Millionen Gesamtmarktwert – der 1. FC Union Berlin trifft auf Hertha BSC oder anders gesagt: Platz 7 (Union) vs Platz 14 (Hertha). Die Charlottenburger, die kurzzeitig vor dem letzten Spieltag auf einem Abstiegsplatz standen, scheinen kurz vor dem Derby in aufsteigender Form zu sein und konnten ihr letztes Heimspiel gegen Leverkusen sogar überlegen mit 3 zu 0 gewinnen. Die Eisernen aus Oberschöneweide hingegen gehen in die Begegnung mit einer 2 zu 5 Niederlage. Allerdings muss man sagen, dass Union nach Niederlagen seinen darauffolgenden Gegnern immer besondere Schwierigkeiten bereitete und meistens mindestens einen Punkt aus diesen Begegnungen mitnahmen. Insgesamt trafen Union und Hertha in der 1. und 2. Liga sieben Mal aufeinander. Drei Spiele davon konnten die Charlottenburger für sich entscheiden, zwei Union und zwei weitere Spiele gingen Unentschieden aus. Das Hinspiel im Dezember konnte die alte Tante mit 3:1 für sich entscheiden. Somit ist klar, dass die Eisernen auf eine Revanche aus sind. Vielleicht ist es aber auch Zeit Unions Aufstiegslied etwas der Realität anzupassen: „Die Zeit ist nun gekommen, Ihr werdet’s alle seh’n, der erste FC Union wird nun endlich vor der Hertha steh’n.“

HERTHA BSC

Rückschau: Nachdem Pál Dárdai – wie letzte Woche beschrieben – vor dem Spiel gegen Leverkusen in die psychologische Trickkiste griff und die Champions League Wochen für beendet erklärte, war man gespannt, welches Gesicht Hertha nach einer enttäuschenden zweiten Hälfte in Dortmund zeigen würde. Passend zur mutigen Gangart setzte Dárdai auch mit der Aufstellung ein Zeichen. Im Sturm setzte er neben Cordoba auf den flexiblen und immer besser in Form kommenden Lukébakio, der ebenso flexibel agierte, wie der wiedergenesene Cunha. Zentral wurden sie durch Guendouzi und den überragenden Tousart immer wieder in Szene gesetzt. Hertha hatte zum ersten Mal seit Ewigkeiten das Glück auf seiner Seite und konnte nach einem Traumtor von Zeefuik bereits in der vierten Minute in Führung gehen. Hertha agierte sehr giftig und zweikampfstark, ließ sich aber immer weiter in die eigene Hälfte drängen und hatte bei Flanken und Standards das ein ums andere Mal jenes Glück, welches in den letzten Wochen fehlte. Mitten in die Drangphase und das sichere Gefühl, dass Leverkusen hier gleich den Ausgleich markieren würde, kam eine schöne Balleroberung von Tousart und ein genialer Pass auf Dodi Lukébakio, der nicht geahnte Übersicht bewies und den Ball auf den durchstartenden Cunha legte, der mit Cordobas Hilfe Tah alt aussehen ließ (nicht zum einzigen Mal an diesem Nachmittag) und den Ball an Grill vorbei ins Tor einschob. Die einsetzende Ungläubigkeit der leidgeprägten Herthafans wurde sieben Minuten später nochmal auf ein neues Level gehoben, als nach einem eigentlich schon verunglückten Konter Lukébakio im Zusammenspiel mit Zeefuik die Situation nochmal scharfmachen konnte, Cordoba erst scheiterte, dann aber in Torjägermanier dem eigenen Mitspieler Guendouzi den Ball abnahm, um kompromisslos zum 3:0 einzuschieben. Hertha hatte fortan zwar weniger Ballbesitz, ließ aber kaum etwas zu und war auch in der zweiten Hälfte dem 4:0 näher, als Leverkusen dem 1:3. Eine starke, in Teilen beeindruckende Leistung, welche sicher auch durch erschreckend schwache Leverkusener ermöglicht wurde, aber dennoch optimistisch in die Schlussphase der Saison und den Kampf um den Klassenerhalt blicken lässt.

News der Woche: Am Dienstagmittag schlug im Hertha-Umfeld mal kurz eine Bombe ein. Nachdem die Ministerpräsidentenkonferenz die Pläne für die – mittlerweile einkassierte – Ruhephase über Ostern bekanntgab, vermeldete der RBB, dass das für Ostersonntag angesetzte Derby gegen Union abgesagt sei. Eine Meldung, die angesichts der anstehenden Länder- und vergangenen Champions- und Europa-League Spiele, für die sämtliche Regeln gebrochen gebogen wurden, für reichlich Unverständnis sorgte. Kurz darauf stellte der Senat klar: Nicht das Spiel an sich wäre abgesagt, sondern nur das Pilotprojekt, mit dem ein kleiner Teil an getesteten Zuschauern in das Stadion gedurft hätte. Durch die Rücknahme der Ruhephase über Ostern wäre dieses Pilotprojekt nun theoretisch wieder möglich. So lobenswert und notwendig es ist, hier nicht nur im Fußball, sondern vor allem in der Kultur- und Eventbranche wieder für Perspektiven zu sorgen, so ist es doch fraglich, ob man hier seitens des Senats nicht ein wenig mehr Fingerspitzengefühl zeigen könnte. Ausgerechnet beim Berliner Derby einem der beiden Berliner Bundesligisten Zuschauer im Stadion zu ermöglichen, könnte man als unsensibel bezeichnen. Betrachtet man, wie sich der Berliner Senat in den letzten Jahren zu (oder eher gegen) Hertha BSC positioniert hat, könnte man es aber auch schlicht als konsequent frech bezeichnen.

Positiver ist dagegen die aktuelle Beziehung zwischen großen Teilen der Fans und der Vereinsführung. Die Initiative 1892hilft, die sich mit diversen Aktionen für die leider viel zu zahlreichen Obdachlosen unserer Stadt einsetzt, hat auf Twitter prominente Hilfe angeboten bekommen.

Vorschau: Durch den Sieg gegen Leverkusen und den Sprung auf Platz 14 wurde der tabellarische „Alles oder Nichts“-Charakter des Spiels ein wenig abgedämpft. Nichtsdestotrotz bleibt ein Derby ein Derby. Und so lange die Revanche für das verlorene Derby in der Alten Försterei nicht mit Fans möglich ist, muss die Mannschaft alleine dafür sorgen, dass auch das dritte Derby in Folge gewonnen wird. Ein Sieg würde Hertha zudem in eine sehr gute Ausgangsposition im Abstiegskampf bringen. Und da ein Derby eben ein Derby bleibt, wollen wir uns gar nicht mit taktischen und spieltechnischen Feinheiten aufhalten. Berlin ist blau-weiß und Derbys werden gewonnen.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*