KEHRWOCHE – Der Bundesliga-Newsletter zum 26. Spieltag

Spieltagsvorschau für Fans von Fans

Jeden Donnerstag veröffentlichen wir an dieser Stelle den Teil aus der KEHRWOCHE, der sich auf den 1. FC Union Berlin und Hertha BSC bezieht. Kehrwoche ist ein kostenloser Bundesliga-Newsletter made by @KaesekopfDE, der einmal die Woche die News aller 18 Bundesligisten aus der Sicht von 18 Fans, Blogger:innen, Podcaster:innen zu ihren Vereinen wiedergibt – aus einer definitiv nicht von den Vereinspressestellen glattgebügelten Sichtweise. Für Union Berlin schreibt Plattsportler @EisernRalf und für Hertha @sogenannter, der sich auch Aktiv für @Hertha_Stadion @Herthakneipe einsetzt und vor allem bei @HBASE1892 zu hören ist.

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UNION BERLIN

Rückschau: Mit dem Sieg des 1. FC Union Berlin im Heimspiel gegen die Geißböcke aus Köln am Sonnabend in der Alten Försterei könnten die Eisernen aus Oberschöneweide nicht nur den Klassenerhalt dingfest gemacht haben, sondern ihnen droht auch noch – sofern sie weiter auf Platz 7 bleiben – ein Wettbewerb namens Europa Conference League. Der geneigte Leser dieser Zeilen weiß nicht was das ist? Macht nichts. Die Spieler, allen voran Max Kruse, kennen diesen Wettbewerb auch nicht.

Wie in der Vorschau der letzten Woche vermutet, setzte Urs Fischer in der Startelf auf Keita Endo sowie Petar Musa, die im letzten Spiel gegen Bielefeld nach ihrer Einwechslung für Schwung und Chancen gesorgt haben. Auch die anderen Unioner auf dem Platz schienen sich an die letzten Minuten des Bielefeld-Spiels erinnert zu haben, denn sie versuchten die Kölner von Beginn an mit schnellen Läufen über die Außenlinien zu hinterlaufen und mit Hereingaben in den Strafraum für Torchancen zu sorgen. Dieser Plan ging in den ersten Minuten komplett auf, Union drängte und Köln bekam keinen Zugriff auf das Spiel. Nach ca. 30 Minuten kam der FC etwas besser ins Spiel aber Gefahr vor dem Tor der Eisernen: Fehlanzeige! Bis zur Nachspielzeit, als Jonas Hector durch eine geschickte Drehung im Sechzehner Robin Knoche überraschte, Hector nur noch zum Kontakt einfädeln brauchte und damit Schiedsrichter Deniz Aytekin faktisch zum Handeln zwang: Elfmeter. Köln ging mit 1:0 in die Pause und war wahrscheinlich selbst überrascht, ein Tor erzielt zu haben. Die 2. Halbzeit begann ähnlich wie die Erste: Union machte Druck und kam schnell zu aussichtsreichen Chancen, die auch in der 48‘ zu einer Situation führte, dass Aytekin wieder auf den Punkt zeigen musste – dieses Mal aber für Union. Max Kruse verwandelte überlegen. Dennoch konnte Union nicht den Schwung mitnehmen und das Spielgeschehen auf seine Seite ziehen.

Der FC kam besser ins Spiel, ohne sich entscheidende Chancen zu erspielen. In der 67‘ flankte Ryerson das Spielgerät von der linken über alle hinweg auf die rechte Seite, wo Union-Kapitän Trimmel den Ball dankend via volley ins lange Eck des Kölner Tores zum 2:1 Endstand versenken konnte – zudem Trimmels erstes Bundesligator überhaupt. Union steht damit nach wie vor auf Platz 7 und würde sich für die Europa Conference League qualifizieren, einen Wettbewerb, den keiner will und den man auch nicht braucht. Nur die UEFA, um noch mehr Geld den Fans aus der Tasche zu ziehen. Eine treffende Analyse zum Spiel haben Julian Graeber im Tagesspiegel und Mathias Bunkus im Berliner Kurier zum Nachlesen abgegeben.

News der Woche: Als Union Berlin im letzten Jahr bekannt gab, auf Vereinskosten Tests für die Fans kurz vor dem Spiel zur Verfügung zu stellen, damit im Rahmen des vorgelegten und genehmigten Hygienekonzepts der Besuch von Teilen der Fans wieder zu ermöglichen sollte, war das Geschrei bei vielen anderen Klubs, Politikern und Funktionären groß. Nicht selten vielen Worte wie „unverantwortlich“, „selbstherrlicher Kultclub“ etc. Zum vergangenen Heimspiel testete Union an den anwesenden und zugelassenen Beteiligten des Sonderspielbetriebes, wie so etwas unter Fanbedingungen vorgenommen werden kann und bot allen Anwesenden einen freiwillige Test an. Wie der Testverlauf ablief, hält der Tagesspiegel hier zum Nachlesen bereit. Jetzt auf einmal überschlugen sich förmlich die Anerkennungsworte derer, die sich noch im letzten Jahr abfällig über Union Berlin äußerten.

In diesem Zusammenhang unterstützt der 1. FC Union Berlin zusammen mit diversen Prominenten wie der Band Erdmöbel, Judith Holofernes und Wolfang Niedecken die gemeinsame Impfkampagne von ASB, DLRG, DRK, der Johanniter- Unfall-Hilfe und dem Malteser Hilfsdienst unter dem Titel #Hoffnungsmaschine. Das dazugehörige Video feierte am Rande Spiels gegen den 1. FC Köln im Stadion An der Alten Försterei seine Premiere.

Vorschau: Am 20. März gastiert der 1. FC Union Berlin um 15.30 Uhr bei der Sportgemeinde Eintracht aus Frankfurt/M. Die Bilanz der bisher drei Begegnungen in der 1. Bundesliga konnten beide Mannschaften seit dem Aufstieg der Berliner ausgeglichen gestalten. So stehen für beide Mannschaften je ein Sieg sowie ein Unentschieden im Ergebnisheft. Selbst die Spielergebnisse waren mehr als ausgeglichen, denn zwei Spiele endeten 2:1 bzw. 1:2 und das Unentschieden wurde mit 3:3 salomonisch entschieden. Mit entsprechender sangesfreudiger Fanunterstützung auf beide Seiten wäre diese Partie eines der Highlights beider Fanlager. Da sich das Verletztenlazarett bei Union nicht wirklich entspannt hat – Unions Flügelflitzer Sheraldo Becker musste jetzt sogar noch einmal operiert werden, sollte Urs Fischer auf eine ähnliche Anfangsformation zurückgreifen wie im Spiel gegen die Kölner. Ziel sollte es sein, Spieler wie Andrè Silva möglichst weit vom Union-Gehäuse fernzuhalten, denn sollte Silva sich in einer einigermaßen aussichtsreichen Position befinden, benötigt er nicht viel Platz, um diese zu nutzen. Da die Frankfurter Eintracht als aktuell 4. der Fußballbundesliga als Favorit ins Spiel geht, könnte Union als Außenseiter in dieser Partie vielleicht eine Überraschung landen und die da oben etwas ärgern.

HERTHA BSC

Rückschau: Mit der mittlerweile unter Pál Dárdai erprobten 3er-Kette ging es ins Spiel gegen die hochfavorisierten Dortmunder. Auf dem Papier ergab sich nur eine personelle Veränderung im Vergleich zur Vorwoche. Marvin Plattenhardt spielte nach überstandener Verletzung erstmals, seitdem Dárdai wieder das Traineramt übernahm. Für ihn blieb Santiago Ascacibar außen vor. Der Argentinier war ebenso wie Matteo Guendouzi kurzfristig aus dem Kader gestrichen worden. Während offiziell verkündet wurde, dass die beiden zentralen Mittelfeldspieler angeschlagen waren, ließ sich zwischen den Zeilen sehr deutlich lesen, dass man mit Einstellung und Trainingsleistung der beiden Spieler unzufrieden war. Maximilian Mittelstädt übernahm die vakante Position im zentralen Mittelfeld, Marvin Plattenhardt die des Schienenspielers im 3-5-2 System. Außerdem sollte Marvin Plattenhardt die chronischen Standard-Schwäche der Herthaner beheben. Womit wir auch schon beim Hauptproblem wären: Hertha erarbeitete sich nicht nur keinerlei Freistöße in aussichtsreicher Position, man schaffte darüber hinaus das Kunststück, sich über das gesamte Spiel keine einzige Ecke zu erspielen. Während man in der ersten Hälfte wenigstens defensiv gut stand und abgesehen von der Anfangsphase, in der Jarstein Hertha im Spiel hielt, auch für ein wenig Entlastung sorgen konnte, war es vor allem in der zweiten Hälfte nur noch eine Frage der Zeit, bis der BVB in Führung ging. Dass dies durch einen kapitalen Torwartfehler geschah, macht die Sache zwar umso bitterer, aber dennoch nicht unverdient. Auch nach dem 0:1 und zahlreichen offensiven Wechseln, schafften es die Berliner kaum in die gegnerische Hälfte und so war es Moukoko, der Jarstein – passend zum Spiel – tunnelte und so das entscheidende 2:0 erzielte.

News der Woche: Dass man sich dem BVB zwar nicht auf Augenhöhe messen kann, war vorher klar. Der Umstand, dass man aber speziell in der zweiten Hälfte komplett mutlos agierte, störte auch Trainer Pál Dárdai, der seine Offensiv-Abteilung relativ deutlich kritisierte. Dass Piatek und Cordoba wiederholt keinen Sahnetag erwischten, wird wohl keiner bestreiten. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass in Pál Dárdais 3-5-2 im Endeffekt 8 Feldspieler für die Defensivarbeit zuständig sind. Plattenhardt fühlt sich in einer 4er Kette als Linker Verteidiger am wohlsten, Tousart – der gerade eine gute Entwicklung nimmt – hat seine Stärken nicht in der gegnerischen Hälfte. Gleiches gilt für seine Nebenspieler Mittelstädt und Darida. Lediglich der rechte Schienenspieler Zeefuik offenbare offensives Potential, wurde aber leider das ein ums andere Mal, vor allem von Darida, sträflich ignoriert.

Am Sonntag gegen die strauchelnden Leverkusener wird Matheus Cunha sein Comeback geben. An einem guten Tag kann der Brasilianer darüber hinwegtäuschen, dass die Mannschaft in der aktuellen Zusammenstellung ein Problem damit hat, die Stürmer in Szene zu setzen und im letzten Drittel strukturierte Angriffszüge auszuüben.

Vorschau: Auch wenn die Leverkusener gerade nicht ihre stärkste Phase haben und – sehr zum Missfallen der Berliner – gerade zu Hause gegen Bielefeld verloren, ist Bayer auf dem Papier natürlich klarer Favorit. Interessant war daher die Aussage von Pál Dárdai, der die „Champions League-Wochen“ für beendet erklärte und davon sprach, dass nun die Spiele kommen, in denen man Punkten muss. Auch Leverkusen zählte er explizit dazu. Das müsse man zu Hause gewinnen. Ob Dárdai wirklich davon überzeugt ist, dass sein Team am Sonntag die 3 Punkte in Berlin halten muss, ist fraglich. Vermutlich sind diese Aussagen die Konsequenz aus den Erfahrungen der letzten Wochen. Hertha verlor, trotz teilweise ordentlicher Leistungen, gegen sämtliche Favoriten. Gegen Stuttgart und Augsburg, wo Punkte Pflicht waren, holte man immerhin 4 Punkte. Der Mannschaft den Druck gegen die großen Gegner zu nehmen, scheint nur bedingt von Erfolg gekrönt zu sein. Gerade in Dortmund hatte man den Eindruck, dass dort eine Mannschaft auf dem Platz stand, die große Angst vor dem Verlieren hatte und dadurch gehemmt war. Es wird spannend zu sehen sein, ob Dárdais psychologische Kniffs wirken und man gegen Leverkusen mutiger auftritt.

 

 

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