KEHRWOCHE – Der Bundesliga-Newsletter zum 25. Spieltag

Jeden Donnerstag veröffentlichen wir an dieser Stelle den Teil aus der KEHRWOCHE, der sich auf den 1. FC Union Berlin und Hertha BSC bezieht. Kehrwoche ist ein kostenloser Bundesliga-Newsletter made by @KaesekopfDE, der einmal die Woche die News aller 18 Bundesligisten aus der Sicht von 18 Fans, Blogger:innen, Podcaster:innen zu ihren Vereinen wiedergibt – aus einer definitiv nicht von den Vereinspressestellen glattgebügelten Sichtweise. Für Union Berlin schreibt Plattsportler @EisernRalf und für Hertha @sogenannter, der sich auch Aktiv für @Hertha_Stadion @Herthakneipe einsetzt und vor allem bei @HBASE1892 zu hören ist.

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UNION BERLIN

Rückschau: Ein Fußballspiel dauert in der Regel 90 Minuten, die sich auf zwei Hälften á 45 Minuten aufteilen. Beim Spiel des 1. FC Union Berlin am Sonntag auf der Alm in Bielefeld bedeutete allerdings die Ausnahme von dieser Regel. Die erste Halbzeit des Spiels wurde erst mit Vollendung der 55. Spielminute abgepfiffen.

Was war geschehen? Es waren keine 3 Minuten gespielt, da segelte der Ball nach einem Freistoß der Arminia in den Strafraum der Köpenicker. Unions Schlussmann Andreas Luthe, der Loris Karius nach 3 überzeugenden Spielen als Ersatz-Nr. 1 wieder auf die Bank verdrängte, faustete den Ball sicher aus dem Strafraum heraus, prallte aber in der Luft mit Unions Verteidiger Julian Ryerson zusammen. Beide Berliner blieben benommen auf dem Rasen liegen, Luthe an der Nase und Ryerson am Kopf blutend. Nach ca. 8 Minuten Behandlungszeit konnten Luthe mit einem Nasenpflaster und Ryerson mit einem Kopfverband überraschender Weise weiterspielen, was mit Sicherheit – und dass zu Recht – zu einer Diskussion führen wird, zusätzliche Schutzauswechselungen bei Kopfverletzungen zwingend zum Schutz der Spieler vorzuschreiben. Auch wenn beide Spieler der Meinung waren, dass es ihnen soweit gut geht, sind sie die Letzten, die vollgepumpt mit Adrenalin darüber eine objektive Meinung abgeben können. Hier sollte möglichst schnell eine nationale und internationale Lösung gesucht werden. Keine 20 Minuten später prallten Bielefelds Cordova mit Marvin Friedrich unabsichtlich zusammen, was zur Auswechslung des Bielefelders führte.

Der Leser wird sich bestimmt wundern, warum bis hierher nichts Sportliches zu lesen ist. Nicht ohne Grund. Bis auf eine Chance der Bielefelder, die Luthe mit einem großartigen Fußreflex vereitelte, geschah in Halbzeit 1 nicht wirklich viel. Union hatte in der 1. Halbzeit knappe 70 % Ballbesitz, kamen aber nicht entscheidend in den Bielefelder Strafraum, um sich Chancen zu erspielen. Bielefeld selbst beschränkte sich aufs Kontern, aber spätestens 20-25 Meter vor dem Berliner Tor war Endstation: Unions Verteidigung ist nicht umsonst die drittbeste der Liga. Die 2. Halbzeit begann ähnlich wie die Erste endete. Mit der Auswechslung von Unions Ingvartsen und Pohjanpalo und der Hereinnahme von Keito Endo und Petar Musa in der 62‘ kam etwas mehr Schwung in den Angriff, der zu zahlreichen Chancen der Berliner führte, die aber entweder am Bielefelder Schlussmann scheiterten oder durch Ungenauigkeiten knapp das Tor verfehlten. Insgesamt war Union dem 1:0 näher als Bielefeld, aber dabei blieb es dann auch. Das Spiel endete nach 103 rekordverdächtigen Spielminuten 0:0 und am Ende bleiben nur die ersten 10 Minuten des Spiels im Gedächtnis erhalten. Hier die Meinung von Mathias Bunkus vom Berliner Kurier sowie Jörg Leopold vom Tagesspiegel zum Spiel auf der Alm.

News der Woche: Anlässlich des 10. Jubiläums von Tusches legendären Freistoßtores zum Sieg im Berliner Olympiastadion gegen Hertha BSC hat Fußball- und Freistoßgott Torsten Mattuschka spezielle 0-Euro-Geldscheine gestalten und drucken lassen. Für 5 Euro sind diese speziellen Geldscheine erhältlich. Der Erlös geht an das Kinderhospiz Köpenick, den Dinopark in Germendorf und die Initiative „Eisern trotz(t) Handicap“. Unions Profis unterstützen Tusches Aktion und haben bereits mehrere Hundert dieser Scheine gekauft. Wer das Tor vom 5. Februar 2011 noch einmal sehen will, der folge einfach diesem Link und genieße es inkl. garantierter Gänsepelle und Tusche-Lied.

Das Union Berlin aktuell über die drittbeste Abwehr der Liga verfügt, ist unter anderem ein Verdienst von Marvin Friedrich, der nicht nur souverän Tore verhindert, sondern auch Tore erzielt. Durch diese aktuelle seltene Kombination spielt sich Marvin Friedrich natürlich nicht nur ins Blickfeld der Nationalelf, sondern weckt auch Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen. Oliver Ruhnert erklärte neulich, dass man als Verein Marvin Friedrich bei entsprechenden Anfragen keine Steine in den Weg legen werde. Sicherlich weiß Friedrich, was er an Union hat, aber als Spieler regelmäßig international spielen zu können, ist natürlich noch einmal eine andere Nummer. Aber eins ist sicher: Sollte es zu einem Sommertransfer von Marvin Friedrich kommen, dann wird Union hoffentlich im zweistelligen Millionenbereich davon profitieren. We trust in Oli!

Vorschau: 7. Oktober 2002: Union Berlin trifft in der 2. BuLi zum ersten Mal in einem Punktspiel auf den 1. FC Köln. Zur Halbzeit steht es bereits 4:0 für den FC, in Halbzeit 2 schlug es damals noch 3 weitere Male im Berliner Kasten ein. Das Spiel endete 7:0 für den FC und was machten die Fans von Union Berlin damals? Sie feiern ihren Verein auf den Rängen mit einer Polonaise und singen dabei „Dit is ne janz enge Kiste“. 19 Jahre später treffen am 13. März 2021 um 15.30 Uhr der 1. FC Union Berlin und der 1. FC Köln zum 4. Pflichtspiel in der 1. BuLi wieder in der Alten Försterei in Oberschöneweide aufeinander. So deutlich wie 2002 der Sieg der Kölner war, so klar ist die bisherige Bilanz der Köpenicker in der Bundesliga: 3 Spiele = 3 Siege ist die eindrucksvolle Erfolgsbilanz der Eisernen in der 1. BuLi gegen den FC. In der Defensive und im Mittelfeld wird sich an Unions Startelf wahrscheinlich nichts gegenüber dem Bielefeld-Spiel ändern. Sollte Christopher Lenz seine muskuläre Verletzung überstanden haben, sollte er neben Marvin Friedrich und Robin Knoche gesetzt sein, ebenso Prömel und Andrich im Mittelfeld. Einzig durch die Verletzten Ujah, Awoniyi und Becker ist die Auswahl des stürmenden Personals relativ übersichtlich. Mit Sicherheit werden Kruse und Pohjanpalo das Spiel beginnen und je nach Spielstand und Taktik von Musa und/oder Teuchert ersetzt oder ergänzt werden. Aber vielleicht wird auch Kaito Endo einmal die Chance auf einen Startelfeinsatz bekommen. Zumindest belebte seine Einwechslung gegen Bielefeld das Spiel sichtlich und verschaffte Union mehrere Chancen.

HERTHA BSC

Rückschau: Nach den zwar leistungsmäßig ordentlichen, aber ergebnistechnischen enttäuschenden „Champions League-Wochen“ rief Pál Dárdai gegen Augsburg ein „Muss-Spiel“ aus. Eingebettet in die Spiele gegen Leipzig, Wolfsburg, Dortmund und Leverkusen stellte das Augsburg Spiel die einzig realistische Option auf drei Punkte dar. Hertha musste auf die verletzten Neuzugänge Radonjic und Khedira verzichten, ebenso fiel Topscorer Matheus Cunha aus. Mit Ascacibar und der Doppelspitze Piatek und Cordoba sollte also das dringend benötigte Erfolgserlebnis her. Als jedoch nach nur 109 Sekunden Benes das Augsburger 1:0 erzielte, gab es wohl kaum einen Herthaner, der noch den Gedanken an die zweite Liga wegwischen konnte. Hertha bestimmte fortan zwar das Spiel, blieb aber zumeist ohne Tempo und zwingende Aktionen. Zur zweiten Halbzeit drückte Dárdai, für ihn ungewöhnlich, seine Unzufriedenheit in Form von zwei Wechseln aus. Guendouzi kam für Ascacibar, Netz für den glücklos agierenden Mittelstädt. Hertha gelang es fortan häufiger, das spielerische Übergewicht in klare Torchancen umzuwandeln. Die klare Leistungssteigerung wurde in der 62. Minute durch Piateks verdientes 1:1 belohnt. Hertha drängte fortan auf den Siegtreffer. Tousart wurde, wie zuvor Darida beim 1:1, schön von Klünter bedient und im Strafraum vom Augsburger Pedersen am Fuß getroffen. Was im Fall komisch aussah, war eine klare Berührung, in dessen Folge Tousart angeschlagen das Spielfeld verlassen musste. Der in den letzten Spielen oftmals unglücklich bis lustlos agierende Lukebakio nahm Piatek und Cordoba den Ball weg und trat zum Elfmeter an. Die bösen Vorahnungen vieler Herthafans wurden nicht bestätigt, er verwandelte sicher und bescherte Hertha somit den ersten Dreier nach neun sieglosen Spielen. Speziell nach diesem Spielverlauf ein essentiell wichtiges Erfolgserlebnis. Wie viel Druck auf den Spielern lastete, war nach dem Schlusspfiff zu sehen, bei dem es zu sehr emotionalen Szenen kam, die Lukas Klünter mit den Worten umschrieb, man habe „fast geweint“ vor Erleichterung.

News der Woche: Während die Personalie Fredi Bobic, wie bereits letzte Woche vermutet, in Berlin immer heißer wird, bereitet sich Hertha auf das schwierige Auswärtsspiel in Dortmund vor. Während im Rest von Fußball-Deutschland Hertha momentan wohl weder für Sympathie, noch für die sportlichen Leistungen viele Pluspunkte sammeln dürfte, stellt sich die Szenerie im blau-weißen Lager gänzlich anders aus. Die Fans übten den Schulterschluss mit Verein und Mannschaft. Gemeinsam für den Klassenerhalt gibt es gerade diverse Aktionen, um dem Team auch in Corona-Zeiten den Rücken zu stärken. Die Mannschaft bedankte sich für die Unterstützung in Form einer Videobotschaft.

Unterdessen gab Geschäftsführer Carsten Schmidt dem Horizont ein Interview, in dem er u.a. von der „größten Aufholjagd, die der deutsche und vielleicht der internationale Fußball je erlebt hat“. Nun ist es sicher schön, sich große Ziele zu setzen und auch die Art und Weise, wie Carsten Schmidt diese Ziele erreichen will, erscheinen bisher schlüssig. Dennoch wäre es sicher auch eine Überlegung wert, diese Ziele vorerst intern zu formulieren, und sich extern – als aktuell Tabellen-15. mitten im Abstiegskampf – ein bisschen demütiger zu geben.

Ebenfalls äußerte sich Axel Kruse, der einmal mehr keinen Hehl um seine (in Hertha-Kreisen weitgehend geteilten) Ablehnung der Person Jens Lehmann machte.

Vorschau: Nach kurzer – erfolgreicher – Unterbrechung gehen nun also die Champions League Wochen weiter. Die Dortmunder, welche am Dienstag noch in der Champions League gegen den FC Sevilla den Viertelfinaleinzug perfekt machten, brauchen dringend Punkte um noch die erneute Qualifikation für die Königsklasse zu erreichen. Dass die Dortmunder aber weder konstant noch unverwundbar sind, zeigte sich, nicht nur in der Saison, immer wieder.

Bei den Berlinern sieht es aktuell nicht so aus, als würde sich jemand aus dem Lazarett wieder dazu gesellen. Höchstens die bereits länger verletzten und sich im Mannschaftstraining befindenden Marvin Plattenhardt und Javairo Dilrosun könnten Optionen für die Bank sein.

Es wird spannend zu sehen sein, ob der langersehnte Erfolg gegen Augsburg der Mannschaft dringend benötigte Lockerheit verschafft. Wenn das passiert, könnte im aktuell bevorzugten 3-5-2 durchaus eine Überraschung drin sein, welche Hertha nach den Ergebnissen des letzten Wochenendes und der Bielefelder Niederlage im Nachholspiel gegen Bremen in eine gute Ausgangsposition im Abstiegskampf versetzen würde.

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