KEHRWOCHE – Der Bundesliga-Newsletter zum 24. Spieltag

Jeden Donnerstag veröffentlichen wir an dieser Stelle den Teil aus der KEHRWOCHE, der sich auf den 1. FC Union Berlin und Hertha BSC bezieht. Kehrwoche ist ein kostenloser Bundesliga-Newsletter made by @KaesekopfDE, der einmal die Woche die News aller 18 Bundesligisten aus der Sicht von 18 Fans, Blogger:innen, Podcaster:innen zu ihren Vereinen wiedergibt – aus einer definitiv nicht von den Vereinspressestellen glattgebügelten Sichtweise. Für Union Berlin schreibt Plattsportler @EisernRalf und für Hertha @sogenannter, der sich auch Aktiv für @Hertha_Stadion @Herthakneipe einsetzt und vor allem bei @HBASE1892 zu hören ist.

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Union Berlin

Rückschau: Als der 1. FC Union Berlin am Sonntag kurz vor dem Spiel gegen die TSG aus Hoffenheim die Aufstellung bekannt gab und Max Kruse in der Startaufstellung stand, sollte das Spiel eigentlich schon vorher entschieden sein. Denn in der Regel enden Spiele gegen die TSG in einem grandiosen MaxDay. Die Statistik sprach bisher immer für Kruse: bis zum Spiel am Sonntag erzielte er 80 BuLi-Treffer, die meisten gelangen ihm bisher gegen die Sinsheimer. 8 Mal traf er ins Netz der Kraichgauer. In der Hinrunde beim Spiel in Sinsheim war Kruse der Spieler des Tages bei den Köpenickern: Er traf einmal ins Netz und leite zwei weitere Treffer Höchstselbst ein. Alles war bereitet für 3 Punkte, die das Stadion An der Alten Försterei nicht verlassen sollten. Aber: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt!

Union hatte von Beginn an, dass Spiel unter Kontrolle. Es war zu sehen, dass Kruse mit auf dem Feld stand und versuchte, spielerische Lösungen zu finden. Der Höhepunkt: In der 9. Minute schickt Kruse seinen Mannschaftskapitän Trimmel mit Geschwindigkeit Richtung Hoffenheimer Strafraum und wird dort zu Fall gebracht – kein schlimmes Foul, aber eben regelwidrig und clever von Trimmel herausgeholt. Den folgerichtigen Elfer versenkt Kruse sicher. Alles läuft nach Plan. Doch danach ist irgendwie die Linie raus bei den Eisernen. Nach und nach übernimmt Hoffenheim die Spielkontrolle. Union läuft gefühlt bei jeder zweiten Spielsituation ins Abseits der Sinsheimer und sollte diesbezüglich eigentlich gewarnt sein, denn Hoffenheim stellte die Gegner in dieser Bundesliga-Saison am häufigsten ins Abseits (75-mal), Union am seltensten (24-mal). In der 29‘ pariert Unions-Schlussmann Loris Karius einen Schuss von Kramaric. Allerdings prallt der parierte Schuss von der Schulter von Unions Verteidiger Schlotterbeck wieder zurück und fällt ins Tor.

Die 2. Halbzeit beginnt wieder mit sehr engagierten Berlinern, die allerdings – faktisch als Abbild der 1. Halbzeit – nach einigen Minuten wieder das Heft des Geschehens aus der Hand geben, sodass Hoffenheim die eine oder andere Chance bekam, doch noch 3 Punkte aus der Alten Försterei mitzunehmen. Das dem nicht so war, haben die Eisernen u. a. ihrem Schlussmann Karius zu verdanken, der sich – im Gegensatz zu den letzten beiden Spielen – auch einige Male gut in Szene setzen konnte. Einmal schafften es die Hoffenheimer dann doch noch, das Spielgerät an Karius vorbei ins Tor der Berliner zu bugsieren, hatten hier aber die Rechnung ohne den VAR gemacht, denn das Tor wurde aufgrund einer Hoffenheimer Abseitsstellung wieder aberkannt. So blieb es dabei: Beide Tore des Nachmittags wurden von Unionern erzielt und das Spiel endete 1:1 – mit etwas mehr Glück für die Berliner aus Oberschöneweide. Sehr treffend wird das Spiel im Berliner Tagesspiegel von Kit Holden sowie im Berliner Kurier von Union-Kenner Mathias Bunkus analysiert.

News der Woche: Vor Beginn der 2. Union Bundeligasaison – also mitten in der 2. Corona-Welle – hatte der 1. FC Union Berlin den Eisernen Dauerkarteninhabern angeboten, die Dauerkarte für die Saison 2020/21 zu erwerben, obwohl der Verein nicht garantieren konnte, dass die Heimspiele mit Zuschauern ausgetragen werden. Anfänglich konnten noch 5000 Eiserne durch ein Losverfahren ihre Fußballgötter im Stadion mit antreiben, war das dann kurze Zeit später auch nicht mehr möglich. Jetzt erhielten alle Dauerkarteninhaber Post vom Verein mit einem Gutschein in der Höhe der nicht genutzten Spiele.

Eine Pflicht zum Kauf der Dauerkarten gab es natürlich nicht, denn das Anrecht auf eine Dauerkarte wäre auch ohne Kauf nicht erloschen. Dennoch kauften viele Unioner ihre reservierte Dauerkarte bereits mit dem Wissen, sie nicht nutzen zu können und konnten damit dem Verein ein kleines finanzielles Polster verschaffen. Bluten für Union mal anders, ganz im Sinne des eisernen Liedgutes „Wir sind Unioner, wir sind die Kranken“.

Vorschau: Wenn am 7. März um 18 Uhr in Bielefeld das Spiel der Arminia gegen den 1. FC Union Berlin angepfiffen wird, stehen sich zunächst erst einmal die beiden kleinsten Etats der Bundesliga gegenüber. Bielefeld mit einem Gesamtmarktwert von 50,7 Millionen und Union Berlin mit 76,2 Millionen. Dennoch trennen beide Vereine gefühlte Lichtjahre. Die Köpenicker reisen nicht nur mit der Gewissheit nach Bielefeld den Klassenerhalt mit nunmehr 34 Punkten auf der Habenseite und Platz 7 fast geschafft zu haben, sondern auch noch mit dem Wissen, dass die Bielefelder ohne größere Not ihren Aufstiegstrainer und ehemaligen Union Fußballgott Uwe Neuhaus entlassen haben und sich nun mit dem neuen Coach der Bielefelder, Frank Kramer, erst einmal finden müssen. Zudem ist Bielefeld mit aktuell 18 Punkten (punktgleich mit Hertha) auf Platz 16 der BuLi noch einige Meter vom rettenden Ufer des Klassenerhaltes entfernt. Das Hinspiel hatten die Köpenicker in Berlin noch klar mit 5:0 gewonnen. Wahrscheinlich wird Trainer Urs Fischer nicht allzu viel an seiner Startelf aus dem Spiel gegen Hoffenheim ändern. Fragezeichen allerdings stehen hinter Christopher Lenz, der im Spiel gegen Hoffenheim in der Halbzeit wegen muskulärer Probleme ausgewechselt werden musste und mit Niko Gießelmann der andere linke Verteidiger auch verletzt ist. Im stürmenden Personal wird aller Voraussicht nach wieder Joel Pohjanpalo gesetzt sein, da Taiwo Awoniyi aktuell auch verletzungsbedingt nicht zur Verfügung steht, und durch Max Kruse etwas dahinter hängend unterstützt wird. Aber vielleicht zaubert Unions Urs Fischer auch etwas ganz anderes aus seinem (Fischer)Hut. Am Sonntag um 18 Uhr werden wir es genauer erfahren.

Hertha BSC

Rückschau: Pál Dárdai schmiss mal wieder die Rotationsmaschine an. Das System blieb im Vergleich zum Leipzig-Spiel zwar gleich, überraschend blieben aber nicht nur der angeschlagenen Mathew Leckie sowie der formschwache Dodi Lukebakio draußen, sondern auch der bisher unter Dárdai stets gesetzte, aber glücklos agierende Krzysztof Piatek vorerst außen vor. Nicht minder überraschend war, dass für die genannten Akteure neben Vladimir Darida auch Nemanja Radonjic und Deyovaisio Zeefuik in die Start-Elf rückten. Letzterer stand unter Pál Dárdai bisher noch nie im Kader.

Ohne klassische Spitze ging es also gegen seit sieben Pflichtspielen gegentorlose Wolfsburger. Hertha stand dementsprechend kompakt, machte das Zentrum dicht und lauerte auf Umschaltaktionen, ohne bei diesen wirklich zwingend zu sein. Zwingend waren auch die Wolfsburger nicht, welche von einer unglücklich abgelenkten Flanke profitierten. Lukas Klünter, der sich noch nach dem Spiel Vorwürfe machte, lenkte den Ball ins eigene Tor. Wolfsburg führte ohne eigenen Torschuss zur Halbzeit mit 1:0. Zur zweiten Hälfte kamen Piatek und Cordoba für die verletzten Cunha und Radonjic ins Spiel. Kurz darauf verletzte sich auch Sami Khedira, für den Guendouzi ins Spiel kam. Hertha kam nun zu mehr Abschlüssen, scheiterte aber mal an Casteels, mal am VAR und mitunter auch am eigenen Unvermögen, die Situationen sauber auszuspielen. Dass Wolfsburg sich dann kurz vor Schluss entschied, doch mal vor dem gegnerischen Tor aufzutauchen und das auch direkt mit dem 2:0 zu untermauern, passte perfekt ins Bild. Es verwunderte nicht, dass Dárdai die Entscheidung mit einem Lachen quittierte.

News der Woche: Die Fans setzen ein Zeichen für den Zusammenhalt, das Lazarett der Hertha nimmt immer größere Ausmaße an, doch die Hertha News der Woche nehmen ihren Ursprung in Frankfurt. Fredi Bobic teilte öffentlich mit, dass er seinen Vertrag in Frankfurt nicht erfüllen wird, sondern im Sommer den Verein verlassen wird. Auch wenn er die Frage nach seiner Zukunft bisher nicht beantwortete, pfeifen es die Spatzen von den Berliner Dächern, dass sich Fredi Bobic nach der launischen Diva „Eintracht Frankfurt“ der nächsten toxischen Lady der Bundesliga widmen wird. Bobic, der in Frankfurt laut eigener Aussage bereits letztes Jahr aufhören wollte und nur durch die Corona-Situation noch ein Jahr länger blieb, scheint es zu reizen, die (finanziellen) Möglichkeiten in Berlin in eine erfolgreiche Zukunft umzusetzen. In Frankfurt, wo Bobic nie die Illusion erschuf, er habe dort seine große Liebe gefunden, scheint er alles erreicht zu haben, was dort möglich ist. In Berlin ist der Status Quo denkbar weit weg von dem, was möglich erscheint. Verbunden mit seiner persönlichen Geschichte, den Kontakten zum Verein (Bobic ist seit 2005 Hertha-Mitglied) und seiner in Berlin lebenden Familie, scheint es eine Frage der Zeit – und der Ablöseverhandlungen – wann Bobic bei den blau-weißen auftaucht.

Vorschau: Nachdem gegen Leipzig und Wolfsburg die von Dárdai erhoffte Überraschung ausblieb, steht nun gegen Augsburg ein alles oder nichts Spiel an. Neun Spiele ohne Sieg, defensive Aussetzer, katastrophale Standards, die komplette Offensiv-Abteilung im Formtief und zahlreiche verletzungsbedingte Ausfälle. Es gibt keinen besseren Moment, um das Ruder rumzureißen. Völlig egal, welche elf fitten Spieler es auf das miserable „Grün“ des Olympiastadions schaffen, völlig egal, wie schlecht die Vorzeichen sind und völlig egal, wie wir es diesmal schaffen, dem Gegner ein Tor zu schenken. Am Ende wird Hertha dieses Spiel gewonnen und die Liga halten!

 

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