KEHRWOCHE – Der Bundesliga-Newsletter zum 23. Spieltag

Jeden Donnerstag veröffentlichen wir an dieser Stelle den Teil aus der KEHRWOCHE, der sich auf den 1. FC Union Berlin und Hertha BSC bezieht. Kehrwoche ist ein kostenloser Bundesliga-Newsletter made by @KaesekopfDE, der einmal die Woche die News aller 18 Bundesligisten aus der Sicht von 18 Fans, Blogger:innen, Podcaster:innen zu ihren Vereinen wiedergibt – aus einer definitiv nicht von den Vereinspressestellen glattgebügelten Sichtweise. Für Union Berlin schreibt Plattsportler @EisernRalf und für Hertha @sogenannter, der sich auch Aktiv für @Hertha_Stadion @Herthakneipe einsetzt und vor allem bei @HBASE1892 zu hören ist.

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Union Berlin

Rückschau: Um es vorweg zu nehmen: Union hatte Glück, dass Spiel gegen den SC Freiburg am Sonnabend in Freiburg mit 11 Mann zu beenden. Denn in der 85. Minute hätte der Arbeitstag von Niko Gießelmann bereits in Minute 10 nach seiner Einwechslung für Christopher Lens beendet sein können. In der Nähe der Mittellinie versuchte Gießelmann einen Konter der Freiburger zu verhindern und räumte Freiburgs Jeong von der Seite mit hoher Geschwindigkeit ab und bekam von Schiri Starks Gelb, was allerding den Köllner Keller auf den Plan rief und Starks anriet, sich das Foul noch einmal genauer anzusehen – was er auch tat und blieb bei seiner Entscheidung. Laut Collinas Erben, dem Schiedsrichter-Podcast: „…Hohe Intensität, aber kein zwingend rotwürdiges Trefferbild (keine offene Sohle, keine verletzungsanfällige Körperpartie getroffen) …“. Wobei Rot wohl die bessere Entscheidung gewesen wäre, so die Schiedsrichterfachleute. Wie Union Berlin mittlerweile mitgeteilt hat, hat sich Niko Gießelmann wohl während dieser Aktion eine Fraktur an der linken Schulter zugezogen und fällt in den kommenden Wochen aus.

Aber zurück zum Anfang. Das Spiel von Union Berlin in Freiburg war ein Paradebeispiel dafür, dass Ballbesitz nicht unbedingt Spiele gewinnt. Union machte nach einigen durchwachsenen Spielen, in denen auch das Quäntchen Glück fehlte, dieses Mal nicht alles richtig aber viel besser als in den vorangegangenen Spielen, was u.a. auch an der Rückkehr von Christopher Lenz, Marius Bülter und Grischa Prömel lag, die u. a. dem Spiel der Köpenicker wieder eine entsprechende Schnelligkeit brachte. Neben der gewohnten Zweikampfstärke und des Erfolges in der Rubrik der zweiten Bälle konnte vor allem Union durch intelligentes Pressing der Freiburgen erreichen, dass der hohe Ballbesitz der Breisgauer meistens am Strafraum der Unioner sein Ende fand. Pohjanpalo, Bülter und auch Ingvartsen störten die Freiburger bereits in der Nähe der Mittellinie. Ein geordneter Spielaufbau des SCF war somit kaum möglich. Unterstützt mit einer ordentlichen und robusten Prise Zweikampfstärke sowie einer sehr stabilen Defensive konnten die Eisernen jegliche Offensivbemühung der Freiburger rechtzeitig entschärfen. 9:15 Torschüsse für die Köpenicker sprechen diesbezüglich eine klare Sprache. So endete das Spiel unterm Strich verdient für Union mit einem 0:1 in Freiburg – mit einem Max Kruse auf der Bank als Glücksbringer.

News der Woche: Steffen Baumgart, eiserner Fußballgott, Union-Mitglied und an der Alten Försterei wohnender Trainer vom SC Paderborn, ist laut der Zeitung mit den vier großen Buchstaben Geheimfavorit bei den (fast) abgestiegenen Königsblauen aus Gelsenkirchen. Zwar würde Baume als Seitenlinien-Malocher bestens zum Image der Gelsenkirchener passen aber als Unioner wünscht man keinem anderen Unioner solch einen Schleudersitz wie den bei S04. Deshalb unsere Empfehlung an Baume: bleib in Paderborn. Kleinere Brötchen sind manchmal die Leckersten!

Auf Initiative des Fußballkulturmagazin „11 Freude“ stärken über 800 Fußballer:innen homosexuellen Spielern den Rücken, falls sie sich auch bereits als aktive Spieler outen wollen. Das Magazin, dass mit wechselnden Spielern auf dem Cover im Handel vertreten ist, u.a. mit Max Kruse und Christopher Trimmel, hat dazu viel Unterstützung aus den Reihen der Fans bekommen, die sich ebenfalls ähnlich in den sozialen Medien präsentierten. Die zentrale Aussage: Jeder kann lieben wen er will, sollte so langsam mal bei Jedem ankommen sein.

Vorschau: Wenn am Sonntag (28.02.) in der Alten Försterei der 1. FC Union Berlin auf die Turn- und Sportgemeinschaft Hoffenheim 1899 e. V. trifft und zwar pünktlich 13.30 Uhr, spielt der aktuelle 7. der Fußballbundesliga – nur zur Erinnerung, das ist zur Zeit Union Berlin – gegen den 11. der Tabelle, einen mit vielen Millionen aufgerüsteten Kleinstadtverein. Die gesamten Einwohner von Sinsheim würden übrigens komplett in eine erweiterte Alten Försterei hineinpassen. Das Hinspiel hatten die Eisernen im November in Sinsheim noch mit 3:1 gewonnen und werden auch gegen die TSG nach ihrem Sieg in Freiburg mit breiter Brust in ihrer Festung Alten Försterei empfangen. Vermutlich wird Trainer Urs Fischer keine großen Veränderungen in der Startelf vornehmen, was auch durch den verletzungsbedingten Ausfall von Stürmer Taiwo Awoniyi bereits vorgezeichnet ist. Lediglich Andreas Luthe wohl wieder zwischen den Pfosten stehen und Loris Karius wieder auf der Bank platznehmen. Und vielleicht werden die Unioner am Sonntag einen Max-Day erleben, auch wenn er noch nicht für 90 Minuten zur Verfügung stehen sollte.

Hertha BSC

Rückschau: 0:3 gegen Leipzig. Auch im vierten Auftritt unter Pál Dárdai blieb Hertha sieglos, insgesamt sind es nun acht Spiele in Folge ohne Dreier. Hertha begann personell überraschend. Für Omar Alderete, dem vom Trainer ziemlich direkt vorgeworfen wurde, er halte sich nicht an taktische Vorsprachen, spielte Trainersohn Marton Dárdai erstmals in der Startelf. Auch wenn Pál es nicht gerne hört, birgt diese Konstellation immer Konfliktpotential. Schon bei Palko Dárdai, dem Vater Pál zum Bundesliga-Debut verhalf, war von außen nicht immer ganz klar, ob es der Trainersohn wirklich immer „doppelt so schwer“ hat, wie der Ungar oftmals sagt. Auch in der kurzen Klinsmann-Ära waren die Personalien Jonathan Klinsmann und Pascal Köpke nicht frei von Konflitkpotential. Umso besser, dass Marton – nach einem unbestraften Fehler in der Anfangsphase – ein sehr abgeklärtes Spiel machte. Nicht nur körperlich scheint er erstaunlich weit für einen 19-jährigen Innenverteidiger zu sein.

Auch die sonstigen Umstellungen sahen zunächst komisch aus, ergaben aber Sinn. Klünter rückte in die 3er-Kette, Leckie gab den Schienenspieler und Khedira kam zu seinem Startelf-Debüt. Hertha war in der ersten halben Stunde mindestens ebenbürtig und geriet denkbar unglücklich durch einen Sonntagsschuss von Sabitzer in Rückstand. Ein Wirkungstreffer. In der zweiten Halbzeit kämpfte sich Hertha zurück ins Spiel und hatte auf dem erneut miserablen Acker des Berliner Olympiastadions gute Chancen, den Ausgleich zu erzielen. Der eingewechselte Guendouzi war es dann, der im eigenen Strafraum ins Dribbling ging, den Ball verlor und so Mukiele den Weg zum 0:2 ebnete. Auch wenn Guendouzi hier klar an den Haaren gezogen wurde, ist es einfach bezeichnend für die Arsenal-Leihgabe, dass er in so einer Situation nicht den einfachen Ball spielt, sondern sich versucht, freizudribbeln.

Hertha versuchte es zwar weiterhin und kam auch zu Chancen, doch war der Mannschaft anzumerken, dass allmählich die Frustration übernahm. Folgerichtig köpfte Orban noch zum 0:3 ein. Nicht nur nach expected Goals kein gerechtes Ergebnis, für dieses Spiel. Dass man das aber fast jede Woche übers Hertha-Spiel sagen kann, macht die Gesamtlage nicht weniger bedrohlich.

News der Woche: Es stellt sich die Frage, wie dramatisch die Lage zu bewerten ist. Klar scheint allen zu sein: Die Hoffnung, dass man mit dem Trainerwechsel schnell punkten würde und sich ins Mittelfeld absetzen könnte, hat sich nicht erfüllt. Das Erreichen etwaiger Punkteklauseln (Gerüchteweise sind es ca. 24 Punkte, die Pál Dárdai bis zum Sommer holen muss, damit sich sein Vertrag sicher verlängert) ist völlig unrealistisch. Es zählt nur der Nichtabstieg, notfalls per Relegation, wie Dárdai und auch der neue Geschäftsführer Carsten Schmidt kürzlich äußerten.

Mut macht nach wie vor, dass die Auftritte der Mannschaft unter Pál Dárdai deutlich besser sind, als die Punkteausbeute. Mit Blick auf die nächsten Gegner (Wolfsburg, Augsburg, Dortmund, Leverkusen, Union) taugt das aber auch nur bedingt zum Optimismus.

Dass Pál Dárdai, der auch aus seiner ersten Amtszeit dafür bekannt ist, gerne mal den Weg der öffentlichen Kritik zu gehen, bereits nach vier Spielen dazu übergeht, seine Mannschaft nicht mehr nur grundsätzlich stark zu reden und Assoziationen zu Kängurus und „Blitzkugeln“ zu ziehen, ist ein Zeichen, dass es in der Mannschaft nach wie vor zu viele Spieler gibt, die den Ernst der Lage nicht verinnerlicht haben.

Innenverteidiger Omar Alderete spielt ständig und trotz „Abmahnung“ den Risikopass durch die Mitte und Matteo Guendouzi fällt auch im Training bei jeder Berührung und beschwert sich lieber, statt weiterzuspielen.

In Berlin wird aktuell nur das Wetter besser, nicht aber die Stimmung in der Hanns-Braun-Straße.

Vorschau: Pál Dárdai rief die Champions-League Wochen aus. Nun ging sicher nicht jeder Herthafan davon aus, dass Hertha BSC im Eiltempo die internationale Spitze stürmt – dass mit „Champions-League-Wochen“ allerdings gemeint, dass man gegen Gegner wie Leipzig oder Wolfsburg als klarer Außenseiter in die Partie geht, war sicher auch nicht die Vorstellung, als man bei Hertha kostspielig die Mannschaft umbaute.

Mit besagten Wolfsburgern steht nun der nächste Gegner an, der momentan in Hochform agiert. 16 von 18 möglichen Punkten aus den letzten sechs Spielen, dabei 11 geschossene und vor allem kein einzig kassiertes Tor sprechen eine klare Sprache.

Eine Chancenverwertung wie zuletzt gegen Leipzig oder auch gegen die Bayern, darf sich Hertha am Samstag nicht erlauben. Matheus Cunha kann man zwar den Einsatz nicht absprechen, leider sammelt er aber aktuell mehr gelbe Karten, als Tore und Erfolgserlebnisse. Ein eben solches braucht er dringend, um sich nicht in Frustration zu verstetigen. Auch die absehbare Rückkehr Jhon Cordobas ist ein Hoffnungsschimmer, denn Krzsysztof Piatek gelingt es leider auch unter seinem vierten Trainer in Berlin nicht, sein Potential dauerhaft auszuschöpfen.

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