“Es ist nichts neues, dass eine Teamkameradin auch gleichzeitig Gegnerin sein kann.”

Foto: ETTU

Petrissa Solja holte vor kurzem binnen knapp einer Stunde zwei Titel bei der Tischtennis-Europameisterschaft. Im Interview spricht sie davon, wie ist es, gegen ihre Doppelpartnerin im Einzelfinale zu spielen und ob sie trotzdem am Abend nach den Endspielen zusammen gefeiert haben. 

Wie ist es, innerhalb von einer Stunde erst als Team und dann als Gegnerinnen aufeinander zu treffen? Wie sind Sie damit umgegangen – gerade mental, wenn man sich kurz zuvor noch in den Armen gelegen hat?

Diese Konstellation gibt es wohl nur im Tischtennis. Ich kenne sonst keine Sportart, in der innerhalb einer Stunde um zwei Medaillen gespielt wird, dabei einmal mit seinem Doppel-Partner und direkt danach gegen ihn. Das ist schon wirklich ein komisches Gefühl. Allerdings ist es für mich als Tischtennisspielerin nichts neues, dass die Teamkameradin, auch gleichzeitig Gegnerin im Laufe eines Turniers sein kann. Nana und ich kennen uns schon sehr lange. Sowohl als Mannschaftskammeraden im Verein und der Nationalmannschaft als auch als Gegnerinnen international oder in der Bundesliga. Wir können beide damit gut umgehen und freuen uns gegenseitig für den anderen. Auch wenn man natürlich immer selbst gewinnen möchte. 

Wie schwer ist es, sich nach einem gewonnenen Finale auf ein weiteres Endspiel innerhalb von knapp einer Stunde vorzubereiten – mental und physisch? 

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Mir ist es bei diesem Turnier gut gelungen, mich immer nur auf das anstehende Spiel zu konzentrieren. Es war auch nicht viel Zeit zwischen dem Doppel-Finale und dem Einzelfinale, um nachzudenken. Ich habe mich einfach mental gut gefühlt und mich auf das Spiel gefreut.  

Wie dürfen wir uns den Abend nach den Finals vorstellen? Feiern Sie zusammen mit Shan Xiona und dem ganzen Team oder ist das schwierig, weil Sie sich im Finale gegenüber gestanden haben? 

Im Rahmen der Möglichkeiten war ein gemütlicher Ausklang möglich, natürlich im Einklang mit den Richtlinien der Corona-Regeln. Wir waren das komplette Turnier über in einer Bubble und konnten auch nicht weggehen zum Feiern. Wir hatten ein tolles Mannschaftsessen mit allen deutschen Spielern, Trainern und Betreuern. Alles war ganz gemütlich. Wir waren auch alle erschöpft und müde und wussten, dass noch in der gleichen Nacht unser Flieger nach Hause geht. 

In wenigen Wochen steht Olympia an: Können Sie sich darauf schon vorbereiten oder braucht man erstmal ein paar Tage Abstand und Ruhe nach der stressigen EM? Welche Chancen rechnen Sie sich bei Olympia aus? Was sind Ihre Ziele?

Die Olympia-Vorbereitungen laufen schon sehr lange. Ich trainiere täglich, abwechselnd in Düsseldorf im Tischtenniszentrum mit der Nationalmannschaft, als auch in Grünwettersbach am Stützpunkt der Herrenbundesligamannschaft ASV. Mittlerweile habe ich ein gutes Gefühl, was mich im Training vorwärtsbringt und woraus ich einen Mehrwert ziehe. Für eine Medaille bei den olympischen Spielen muss schon alles passen. Im Team konnten wir 2016 mit dem Gewinn der Silbermedaille natürlich einen wahnsinnigen Erfolg einfahren. Ich beschäftige mich nicht allzu sehr damit, was könnte sein. Ich möchte mein bestes Tischtennis spielen. Ich weiß, was ich kann und möchte so weit wie möglich kommen, sowohl im Einzel, im Mixed Wettbewerb mit meinem Doppelpartner Patrick Franziska und im Team. 

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