Ihr seid nur ein Punktelieferant!

Die Leipziger Dependance des Salzburger Energiegetränkeherstellers zieht ins Halbfinale der Champions League ein. Warum das schrecklich ist, viel über das seltsame Turnier in Lissabon aussagt und warum das für den deutschen Fußball am Ende gut sein kann, erfährt man in diesem Kommentar.

Im gestrigen Champions League-Viertelfinalspiel zwischen Salzburg-Nord und Atletico Madrid setzten sich die Limoboys mit 2:1 durch. Es kommt zu einem Halbfinale des Grauens: die Emirat-Alimentierten von PSG gegen die Unaussprechlichen von Club X. Egal wer dieses Spiel gewinnen wird: Der faire Fußball hat schon längst verloren. Während PSG vor der Übernahme der Katarer sowas wie das französische Schalke 04 war, bloß mit den Rassisten im Fanblock und nicht auf der Haupttribüne, ist Club X der geschniegelte Schwiegersohn, den man einfach nur hassen mag. Man weiß, irgendwas ist faul an dem strammen BWL-Studenten, der sich ins familiäre Wohnzimmer gemogelt hat. Na gut, Schwiegertöchter kann man auch enterben. 

Wohl oder übel wird es eines Tages dazu kommen, dass der Name der Schande in ein Siegermetall geritzt wird. Leider. 

Beide Vereine eint, dass sie mit unverschämt großen Geldbeträgen hantieren können, die sie sich nicht mal erarbeiten mussten. “Neureiche” nennt man sie landauf und landab. Zusammen mit ManCity stehen sie für den gekauften Fußball, der den gleichen durchkommerzialisiert und jegliche traditionelle Verzierung wegfrisiert. Für jeden Liebhaber des Sports ein Graus. Einer von beiden wird um den berühmten Henkelpott kämpfen dürfen. Während PSG ja eine gewisse Historie aufweisen kann und noch im “alten Fußball” eine Rolle spielte, ist es eine Alptraumvorstellung, dass im Pokal mit den großen Ohren der Name der in Sachsen gezüchteten Brausetruppe eingraviert werden könnte. Sollte das passieren, beantrage ich umgehend die Unkenntlichmachung der Gravur durch einfache Sternchen: ** *******. Wohl oder übel wird es eines Tages dazu kommen, dass der Name der Schande in ein Siegermetall geritzt wird. Leider. Der absolute Horrer im laufenden Wettbewerb wäre jedoch, wenn ich Barcelona, die von mir gehassten, oder ManCity anfeuern müsste, damit die Käufer der Markranstädter Spiellizenz bloß nicht zum Sieger dieses Wettbewerbs werden.

Überhaupt ist die Fortsetzung der Champions League eine Farce. Um noch irgendwie einen Sieger zu ermitteln, ein paar Millionen zu generieren und die Kaufkraft, die man sich erwünscht zu erzeugen, wird ein Turnier gespielt, wobei auf Hin- und Rückspiele gänzlich verzichtet wird. Das ist einfach nur albern, weil im Zweifel eine Tagesform den Unterschied macht und nicht, wie gewohnt und geplant, die Summe aus zwei Spielen, was mehr über die Spielstärken der Mannschaften aussagt. Dazu in einer Affenhitze in Portugal im August zu kicken, ist auch aus gesundheitlicher Perspektive gelinde gesagt bedenklich. Während sich jetzt beispielsweise die Bundesligisten für die neue Saison rüsten, müssen die Bayern und die Salzburger Filialisten noch um den einst wichtigsten Clubfußballpokal kämpfen. Was das für die neue Bundesligasaison an gerechten Ausgangsbedingungen aussagt, kann sich jeder selbst zusammenreimen. 

Warum einige Spieler nicht spielen dürfen und andere schon: da blickt der durchschnittliche Fan nicht mehr durch

Und überhaupt ist es unfair, wenn einige Teams ohne Spieler antreten müssen, die in der laufenden Saison der Champions League bereits für den jeweiligen Verein gespielt haben. Beispielhaft sind die Namen Timo Werner oder der langzeitverletzte Leroy Sané, der zwar nicht für die Champions League gemeldet war, aber dennoch nun für die Münchner kicken könnte. Warum einige Spieler nicht spielen dürfen und andere schon: da blickt der durchschnittliche Fan nicht mehr durch und verliert die Lust am Fußball. 

Am Ende verlieren irgendwie alle. Der mögliche Sieger wird sich nicht im gleichen Maße über den Pokal freuen können, der Zuschauer fühlt sich um Lebenszeit und Freude am Sport betrogen und die UEFA wird mehr als schon zuvor als Geldhai wahrgenommen.

Schade nur, dass ein Triumph der Fußballkonstruktion dessen Akzeptanz in der breiten Masse zusätzlichen Auftrieb verleihen würde

Für den deutschen Fußball an sich hätte ein Triumph von Club X dennoch etwas gutes. Für die 5-Jahreswertung der UEFA bedeutete das nämlich eine Verbesserung Deutschlands in dieser Tabelle, die u.a. regelt wie viele Clubs aus den teilnehmenden Ländern bei den Wettbewerben der UEFA mitspielen dürfen und wer an die satten Fleischtöpfe zum Naschen darf,. Da wird sicher der eine oder andere Durchschnittsfan den “Sachsen” die Daumen drücken, bei mir selbst hätte das nur einen Gedanken zur Folge: “Ihr seid nur ein Punktelieferant!”. Schade nur, dass so ein Triumph der Fußballkonstruktion dessen Akzeptanz in der breiten Masse zusätzlichen Auftrieb verleihen würde. Ich könnte darauf gut verzichten. Dann doch lieber die Bayern als Sieger oder noch schöner: Olympique Lyonnais. 

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