“Ich darf meine Teamkollegen nur mit Maske sehen”

Foto: Tilo Wiedensohler/camera4

Malte Delow hat momentan viel Stress: Der Basketballer von Alba Berlin und Lok Bernau spielt in drei Wettbewerben und zwei Mannschaften gleichzeitig. Im Interview spricht er über die aufregenden Monate, die vielen Reisen und eine besondere Abschottung von seinen Teamkollegen.

Malte, dein Teamkollege Jayson Granger hat vor kurzem gesagt, dass er aufgrund eurer vielen Reisen nicht mehr genau weiß, in welcher Stadt er ist, wenn er am Morgen aufwacht. Allein mit Alba standen im Dezember und Januar jeweils 13 Spiele auf dem Programm. Dazu kommen noch die Spiele mit Lok Bernau. Wie geht es dir damit?

Malte Delow: Klar, ist die Zeit nicht einfach. Gerade das Reisen kostet viel Kraft und ist immer wieder anspruchsvoll. Gerade zusammen mit den vielen Spielen ist das eine große Herausforderung. Es ist im Allgemeinen schwierig.

Ein Wochenende sticht vielleicht besonders hervor: Am Freitag spieltest du mit Alba in der Euroleague in München, am Samstag mit Lok Bernau gegen die Iserlohn Kangeroos und am Sonntag wieder mit Alba in der Bundesliga gegen die Niners Chemnitz. Wie schafft man das mental und auch kräftemäßig?

Delow: Zunächst muss man sagen, dass ich bei den Alba-Spielen nicht so viel Spielzeit hatte – daher spielte die Energie keine große Rolle. Eher das Reisen war problematisch. Von München nach Iserlohn nach Berlin – Ich kam am Sonntag am Sonntagvormittag in Berlin an und um 15 Uhr hatten wir schon das nächste Spiel. Das ist natürlich kräftezehrend. 

Apropos Ruhe: Bist du jemand, der im Zug schlafen kann?

Delow: Nein, das kann ich nicht. Ich lese im Buch oder wir spielen was zusammen. Auch Netflix schaue ich ab und zu.

Jetzt bist du in drei Wettbewerben aktiv: Inwieweit unterscheidet sich eine Spieltagsvorbereitung in der Euroleague, in der Bundesliga und in der Pro B?

Delow: Allein die Vorbereitungszeit ist eine andere: Bernau spielt meist einmal in der Woche und hat somit eine Woche Zeit, sich auf das Spiel einzustellen. In der Euroleague haben wir manchmal nur einen Tag. Wir schauen dann viel Video und analysieren die Spielzüge der Gegner. Die Trainingseinheiten sind dann zum Teil spezifisch auf den Gegner abgestimmt.

Was ist anders bei der Spieltagsroutine, wenn du für Alba bzw. für Bernau im Einsatz bist?

Delow: Bei Alba gibt es einen Shootaround am Vormittag. Zudem bin ich meist schon ein paar Stunden vor dem Spiel mit unserem Individualtrainer Carlos Frade in der Halle. Daher verbringe ich bei Alba-Spielen deutlich mehr Zeit in Halle, bevor die Partie beginnt. Bei Bernau reise ich direkt zum vereinbarten Zeitpunkt an und wir machen uns alle gemeinsam warm. Wobei die Situation bei Lok etwas besonders ist.

Warum?

Delow: Da ich bei Alba spiele und trainiere, bin ich bei Bernau-Spielen in einer eigenen Kabine. Ich darf mit den anderen Teamkollegen nur mit Maske in Kontakt treten. Das sehen die Regularien der Basketball-Bundesliga seit einigen Monaten vor. 

Malte Delow (2.v.r.), hier mit Markus Erikson, Ben Lammers und Tim Schneider (v.l.). Foto: ALBA BERLIN

Was hängt damit noch zusammen? Trainierst du mit Bernau?

Delow: Nein, ich trainiere nur bei Alba und sehe das Bernauer Team nur bei den Spielen. Zu meinen Mitspielern Abstand zu wahren und auch vor oder nach den Spielern immer Maske zu tragen ist schon ein großer Aufwand. Auch bei der Videoanalyse des Gegners bin ich nicht dabei.

Sorgt das nicht für ein komisches Mannschaftsgefühl, wenn man etwas abseits steht und nur zu den Spielen kommt?

Delow: Ich denke nicht. Bisher habe ich noch nicht mitbekommen, dass im Team darüber gesprochen wurde. Ich habe ein gutes Verhältnis zu meinen Mitspielern und wir haben Spaß zusammen.

Sind dir die Spiele mit Bernau manchmal zu viel – gerade, wenn ihr so viele Reisen und Partien mit Alba habt?

Delow: Nein, ich habe genug Energie dafür und bin immer ready. Meinem Körper geht es gut. Bei Bernau habe ich eine ganz andere Rolle und versuche, der Mannschaft mit meinen Leistungen zu helfen. Bei Alba lerne ich ständig dazu und habe viel Spaß.

Ist es denn schwierig, sich auf das andere Niveau der Spieler vorzubereiten? Ist es nicht etwas anderes, wenn man gegen einen ehemaligen NBA-Spieler Nando de Colo spielt oder gegen einen Basketballer aus der Pro B?

Delow: Ich versuche, immer auf die gleiche Weise ready zu sein. Gerade wenn man mehrere Spiele die Woche hat, habe ich gar keine Zeit, mich intensiv auf meine Gegenspieler vorzubereiten. Daher sehe ich da keinen großen Unterschied, wer mir da auf dem Feld gegenübersteht.

 

Infos zu Malte Delow
Für einen Basketballer startete Delow im Alter von elf Jahren verhältnismäßig spät in den Sport. Mit Alba Berlin wurde er Deutscher Meister in der U16 und in der U19. Seit 2019 gehört er zum Bundesligateam von Alba Berlin und spielt parallel in der 2. Bundesliga Pro B mit Lok Bernau. 

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