EINES ENDSPIELS UNWÜRDIG: BBL-POKALFINALE KENNT IM VORHINEIN NUR VERLIERER

Foto: Oliver Schwandt

Das Basketball-Pokalfinale steht in dieser Saison unter keinem guten Stern. Das hat viele Ursachen. Auch der Gastgeber des Endspiels hat dazu beigetragen, dass es im Vorhinein Ärger gab. Gastautor Maximilian Konrad ärgert sich mit.

An einem Samstagmorgen gegen 4 Uhr trafen sich im Jahr 2014 viele verrückte Basketball-Enthusiasten an der O2-World in Berlin. Ihr Ziel: das Finalturnier im Pokal in Ulm. Die Reise nach Baden-Württemberg war lang und beschwerlich, aber der Cupsieg von Alba Berlin entschädigte alles – auch die gefühlt ewige Busfahrt hin und zurück – irgendwann am Montagmorgen gegen 4 Uhr waren wir wieder in Berlin. Das “Top Four”, wie das Endturnier damals noch hieß, wird mir noch lange in Erinnerung bleiben: eine tolle Stimmung in der Halle und unter den Fans, egal welcher Couleur; tolle Aktionen zwischen den Spielen und natürlich das Erlebnis, den Akteuren von Alba nach dem Finalsieg ganz nahe gewesen zu sein, als man zusammen feierte.

Leider wird es solche Szenen in den kommenden Jahren nicht mehr geben. Die easycredit Basketball Bundesliga (BBL) beschloss zur Saison 2018/2019 eine Änderung des Pokalmodus: 16 Erstligisten – ohne die beiden Aufsteiger – spielen in vier Runden mit jeweils einem K.o.-Spiel den Pokalsieger aus. Alle Runden werden dabei neu gelost, Heimrecht hat das zuerst gezogene Team. Beim Top Four-Modus gab es folgende Regelung: Der Gastgeber des Turniers ist als Finalteilnehmer gesetzt. Die anderen drei Plätze werden durch drei Ausscheidungsspiele ermittelt, für die sich die ersten Teams der Bundesligatabelle zu einem gewissen Zeitpunkt der Saison qualifizieren. 

In der aktuellen Pokalsaison kam es dazu, dass sich Alba Berlin und Brose Bamberg und die EWE Baskets Oldenburg und ratiopharm Ulm im Halbfinale gegenüberstanden. Alba und die EWE Baskets konnten sich durchsetzen und Berlin wurde wenig später als Finalort gezogen, da Albas Kugel zuerst den Weg aus dem Lostopf fand. Dementsprechend sollte das Endspiel nun am 16. Februar in Berlin stattfinden. Das Team aus der Hauptstadt spielt klassischerweise in der Mercedes-Benz-Arena – also sollte auch das Finale dort stattfinden. Bereits im Vorhinein war bekannt, dass die Arena am 16. Februar bereits nachmittags von den Eisbären Berlin – die ebenfalls dort spielen – belegt ist, da eine Partie der Deutschen Eishockey Liga (DEL) für den Tag geplant war. Ein Ausweichen in die Max-Schmelling-Halle – Albas früherer Heimspielstätte – war auch nicht möglich, da die Handballer der Füchse Berlin am selben Nachmittag ein Spiel in der Bundesliga absolvieren. Das große Problem: Alba reichte als einziger der vier Halbfinalisten keine Angabe zu einer möglichen Heimspielstätte am 16. Februar ein. Was also tun? Da die Spielpläne der BBL und der DEL sehr eng getaktet sind, wählte man folgende Lösung: Der Spielbeginn der Eisbären wurde nach vorn verlegt – von 14 Uhr auf 13.15 Uhr und das Basketball-Pokalfinale wird nun um 20.30 Uhr angepfiffen. Es gibt also einen Doppelspieltag, der nun auch einen logistischen Aufwand nach sich zieht. Nach Spielende der Eishockeypartie haben die Verantwortlichen nur knappe dreieinhalb Stunden Zeit, um das Eis in Parkett zu verwandeln – denn: Mindestens eine Stunde vor Spielbeginn des Basketballfinals müssen die Spieler sich warmmachen dürfen. Nicht ohne Grund sagte  Hermann Schüller, geschäftsführender Gesellschafter der EWE Baskets Oldenburg: „Wir haben allerdings auch größte Bedenken, dass eine reibungslose und einem Endspiel um den Deutschen Pokal angemessene Vorbereitung am Spieltag selbst angesichts mehr als enger zeitlicher Abläufe bei parallelem Ab- und Aufbau gewährleistet ist.“

Im Endeffekt wurde eine Entscheidung gefällt, die drei Verlierer kennt: zum einen die Eishockeyfans der Adler Mannheim. Das Duell Berlin gegen Mannheim in der DEL ist ewig langes, tradtionsgeprägtes. Daher reisen stets auch viele Anhänger des Teams aus Baden-Württemberg in die Hauptstadt, um das Spiel ihrer Mannschaft zu verfolgen. Nun werden die Sonderzüge und andere Verkehrsmittel auf die Spielzeit um 14 Uhr ausgelegt worden sein. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Fans einen großen zeitlichen Puffer für vor und nach dem Spiel eingeplant haben. Sonst droht ein großes Desaster. Der zweite Verlierer sind die Anhänger der EWE Baskets Oldenburg. Für eine Fahrt vom Nordwesten Niedersachsens nach Berlin müssen schon vier Stunden als Minimum eingeplant werden. Jeder kann sich selbst ausrechnen, wann die Anhänger dann wieder zu Hause sein werden. Nur ein Vergleich: Das Finale im Jahr 2014 in Ulm war um 15 Uhr angesetzt und wir waren – sicher auch durch die langen Feierlichkeiten und die dadurch verspätete Abfahrt – erst am frühen Morgen wieder zurück. Man gehe nun davon aus, Oldenburg gewinnt, zelebriert den Sieg ordentlich mit seinen Anhängern, die dann jedoch erst gegen 6 Uhr wieder Zuhause sind? Und schwups muss man einen Tag Urlaub nehmen. Als dritter Verlierer dürfen sich die Fans von Alba Berlin fühlen – zumindest diejenigen, die mit der Familie das Endspiel genießen wollten. Mit ihren Kindern gehen Eltern wohl kaum zu einer Veranstaltung, bei der man an einem Sonntag nicht vor 23 Uhr wieder Zuhause ist.

Alba Berlin spielt das Ganze übrigens sehr herunter und äußert sich nicht dazu, dass der Verein keine Heimspielstätte für den 16. Februar präsentieren konnte. Alba-Geschäftsführer Marco Baldi meinte im Vorhinein nur, dass man schon seit Monaten von der Problematik wisse und das man eine entsprechende Reservierung bei der Mercedes-Benz-Arena hinterlegt habe – aber ist das eine optimale Lösung? Der Club lässt eine Nachricht da à la: „An dem Tag hätten wir die Halle vielleicht gern… aber nur wenn das Team ins Finale kommt… wir werden das zusammen mit den Eisbären schon irgendwie hinbekommen…“ Im feinsten PR-Sprech ergänzt Marco Baldi später, als das Event feststeht: „Wir freuen uns riesig, das Pokalfinale vor unseren Fans bestreiten zu können. Wir erwarten eine volle Arena, das wird ein großes Basketballfest. Unser großer Dank gilt allen Beteiligten, die mit viel Engagement möglich gemacht haben, dass erstmalig eine solche Doppelveranstaltung in der Mercedes-Benz Arena stattfinden kann.“ 

Die Frage ist, ob es nicht möglich gewesen wäre, das Finale zu einem anderen Zeitpunkt auszutragen. Sicher ist der Spielplan der BBL eng getaktet, aber das Endspiel an einem Sonntag um 20.30 Uhr auszutragen? Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, das ein oder andere Bundesligaspiel zu verlegen. Dann hätte man dem Schlusspunkt des Pokalwettbewerbs einen entsprechenden Rahmen gegeben. Alba Berlin ist hier neben der Bundesliga eindeutig in der Bringschuld!

Zudem sollte sich die BBL auch wegen der Schwierigkeiten rund um den Termin für das Endspiel, ob sie den Pokalmodus beibehält. Bereits in der vergangenen Saison wurde der Modus bei seiner erstmaligen Austragung in Frage gestellt. Der Gastgeber hätte im Finale schlichtweg einen Vorteil, da er vor den eigenen Fans spielt. Sicher hat das Heimteam auch bei einem Top Four einen Trumpf in der Hinterhand, wenn die Mannschaft ins Endspiel kommt. Aber dann ist der Anteil der Heimfans nicht so groß, weil insgesamt Anhänger von vier Vereinen in der Halle sind. Dadurch ergibt sich automatisch eine andere Stimmung.

Auch war das “Top Four” als gesamter Rahmen für das Event eine tolle Sache: An einem Wochenende kommen Basketballfans aus ganz Deutschland zusammen und es wird gefachsimpelt und Fanfreundschaften werden geknüpft.

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