EIN PAMPHLET ÜBER MAJESTÄTEN UND TRÄUMEZERSTÖRER IM FUSSBALL

Es gab und es gibt im Fußball viele Könige, Götter, Prinzen aber auch Diktatoren. Der bekannteste unter den Königen ist und bleibt wahrscheinlich König Otto der Erste aka Otto Rehhagel. Der Sensationstrainer schlechthin! Man kann über Rehhagel sagen was man will, aber der altmodische Familienmensch, immer in hingebungsvoller Unterstützung von seiner Gattin Beate getragen, reihte Erfolg an Erfolg. Meister und Pokalsieger mit Werder Bremen, Deutscher Meister mit dem 1. FC Kaiserslautern als Aufsteiger und nicht zu vergessen: Europameister 2004 mit Griechenland. Wenn man es nicht wüsste, könnte man meinen, Otto Rehhagel sei ein Zauberer. 

Der bekannteste Fußballgott meiner Zeit war Jürgen Kohler. Geschmiedet in der Glut des SV Waldhof Mannheim, zog er über Bayern München, Juventus Turin und Borussia Dortmund hinaus in die weite Fußballwelt und begeisterte die Massen mit seiner bedingungslosen Art und Weise, gegnerische Stürmer bis aufs Blut zu bekämpfen. Neben zahlreichen Meistertiteln in Deutschland und Italien, wurde der in Lambsheim geborene pfälzische Haudegen auch noch 1990 Fußballweltmeister. 

Bei den Prinzen erinnert sich wohl jeder gerne an Lukas Podolski, Der Mann mit der “linken Klebe”. Seine Schüsse sind dermaßen hart, dass er dafür eigentlich einen Waffenschein benötigt. Derzeit treibt der gute Lukas sein Unwesen in der japanischen J-League und mischt dort bei Vissel Kobe, kongenial unterstützt von Andres Iniesta, die gegnerischen Abwehrreihen auf. Zwischendrin war der Kölner Volksheld unter anderem für Galatasaray Istanbul, Inter Mailand, Bayern München und für seinen geliebten FC Kölle am Ball. 

Am Ball zu sein zeichnet alle diese drei wunderbaren Protagonisten des Weltfußballs aus. Sie wissen, was geschah auf dem Platz, aber auch für das Leben abseits des Rasens haben die drei Majestäten einen Blick, für die Dinge, fernab vom schnelllebigen Fußballgeschäfts. Kurz und knapp gesagt:  sie tragen verdientermaßen ihre Titel, die ihnen vom Fußballvolk verliehen wurden. 

Diktatoren widerum werden nicht ernannt. Sie reißen die Macht an sich und lassen in der Regel am Ende Ihres Schaffens einen Scherbenhaufen zurück. Im Fußball treiben leider viele dieser selbsternannten Diktatoren oder Sonnenkönige ihr Unwesen. 

Dietmar Hopp mal ausgenommen, der neben dem Aufbau der TSG Hoffenheim unheimlich viel Gutes getan hat und viele andere Vereine in der badischen Region fördert, fallen mir kaum Fußballdiktatoren ein, die gutes hinterlassen haben. Die TSG passt zwar für die meisten nicht in die idyllische Fußballlandschaft hinein, ist aber inzwischen ein Verein, der sich von selbst tragen kann. 

Der zurzeit bekannteste Diktator, der im deutschen Fußball sein Unwesen treibt, ist der Russe Mikhail Ponomarev. Der russische Ölmagnat hat sich vor 2 Jahren beim ehemaligen Bundesligisten KFC Uerdingen eingekauft und waltet und schaltet seitdem nach Belieben. Will er einen Trainer nicht mehr haben, wird dieser halt kurzerhand wieder entlassen. So geschehen ist das schon viermal unter seiner Regie. Trainer scheinen für Ponomarev nur Marionetten zu sein. Bislang hat er Andre Pawlak, Michael Wiesinger, Stefan Krämer und Norbert Meier als Trainer verschlissen. Inzwischen heißt der Trainer Heiko Vogel, der zu seiner besten Zeit den FC Basel in der Championsleague betreut hat. 
Die Art und Weise wie hier nur in den schnellen Erfolg investiert wird, ist erschreckend. Es wird weder intensiv eine Jugendabteilung gefördert, noch sonst etwas. Auch die Frage der eigenen Infrastruktur ist nicht geklärt. 

Seit dieser Saison spielt der KFC nicht mehr in der heimischen Grotenburg. Aktuell werden die Dittligaspiele im Duisburger Stadion ausgetragen und für die nächste Saison hat Uerdingen angekündigt in der Arena der Düsseldorfer Fortuna zu spielen.
Solche Aktionen führen dazu, dass sich die Fans wie auf einer permanenten Auswärtsfahrt fühlen müssen. Inzwischen hat zwar die Sanierung der altehrwürdigen Grotenburg begonnen, aber keiner weiß, wie lange diese Arbeiten dauern werden. 

Mikhail Ponomarev sagte selbst in einem Kicker-Interview, dass er erst ab der 2. Bundesliga in die Infrastruktur des Vereins investieren wird. Als Fußballfan finde ich es sehr traurig, dass hier nur kurzfristige Interessen im Vordergrund stehen und nicht ein langfristiges Konzept, das von Nachhaltigkeit geprägt ist. 
Bei einem Ausstieg des Investors stehen die Krefelder vor dem Aus oder vor einem erneuten Wiederbeginn im Amateurfußball.

Es gab in der letzten Zeit genügend Fälle, bei denen die Vereine nach dem Ausstieg bzw. Nichteinstieg von Investoren kurz vor dem Aus standen. Die bekanntesten Fälle in der jüngeren Vergangenheit waren der Wuppertaler SV und Wattenscheid 09, die am Ende nur durch Spenden ihrer Anhänger gerettet werden konnten. 

Also liebe Vereine, überdenkt den Einstieg von Investoren, sollte das Bestreben vorherrschen, fremdes Kapital in den Club zu holen!
(sg)

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