DIE HOFFNUNG STIRBT ZULETZT

Am Tag des Berliner Stadtduells Union gegen Hertha blickt Hertha-Fan Rolf Grande noch einmal auf die Partie vom letzten Wochenende zurück.

Samstag 15:30 Uhr, bestes Fußballwetter und ein Gegner, der einem nicht liegt. Was kann es besseres geben? Bei fast schon sommerlichen Temperaturen machte ich es mir in der Ostkurve gemütlich. Gemütlich hatten es auch die Gästefans aus Hoffenheim. Der Gästeblock bot reichlich freie Plätze für die spärliche Zahl an mitgereisten Fans.

Etwas unerwartet nahm Dilrosun nur auf der Bank Platz. Doch Hertha legte gut los, presste hoch und hätte sogar in Führung gehen können. Der Pfosten hatte etwas dagegen. Etwas gegen Hertha schien auch der Schiedsrichter zu haben. Zweikämpfe wurden konsequent pro Hoffenheim ausgelegt. Und so fragte ich mich: Ist der Schiri aus Stuttgart sauer, dass Union Stuttgart in Liga 2 befördert hat, und lässt das jetzt an Hertha aus?

Erwartungsvolle Vorfreude vor dem Kick gegen Hoffenheim

Und so kam es wie es kommen musste: Hoffenheim ging in Führung. Boyata gab Locadia nur Geleitschutz und dieser nutzte den Raum, um das 1:0 aus Sicht der Gäste zu erzielen. Als ob das nicht genug war, traf Kramaric kurze Zeit später nach einer Ecke zum 2:0. Das Spiel war gelaufen und der Frust saß tief.

Doch in der 2. Hälfte kam plötzlich Hoffnung auf. Als der Schiedsrichter erneut ein klares Hoffenheimer Foul nicht ahndete, entstand aus dem Einwurf von Klünter doch ein Tor. Lukebakio setzte unerwartet zum Fallrückzieher an und überwand Baumann. Die Ostkurve lag sich in den Armen. Hier ging plötzlich noch was. Der Kampfgeist der Kurve und der Kampfgeist der Mannschaft trugen Früchte. So leicht sollte es Hoffenheim nicht haben.

Abseits des Spielgeschehens beschäftigten sich die Ultras mit Dietmar Hopp und Renate Künast. In einem kleinen Quiz wollten Sie von Hoffenheims Mäzen wissen, was straffrei bleibt. Zur Auswahl standen “Sohn einer Hure“, „Drecksfotze“ und „Sondermüll”. “Die Antwort kennt das LG Berlin” war dabei eine Anspielung auf das Urteil zu einem Verfahren über Äußerungen gegen Frau Künast, die ungestraft blieben. Beleidigungen sind im Stadion keine Seltenheit. Der Schiedsrichter, Spieler, Trainer oder auch Dietmar Hopp werden regelmäßig zum Ziel von Anfeindungen. Das Thema ist kontrovers. Einige betrachten Schmähgesänge als Teil der Fußballkultur, andere – und da zähle ich mich dazu – sehen dies – auch vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Verrohung – nicht als zeitgemäß an. Gab es Zeiten, in denen ein gewisser Witz mitschwang, so ist heute fast nur platter Hass zu finden.

Die Kraichgauer sind mit der ganzen Stadt angereist. Chapeau!

Fußball wurde auch noch gespielt. Salomon Kalou, der lange keine Beachtung fand, durfte sich anstelle von Boyata beweisen. Und tatsächlich erzielte er nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung den Ausgleich. Kalou, immerhin Champions-League-Sieger mit Chelsea – die Bayern werden sich erinnern – zeigte damit erneut, dass auf ihn Verlass ist. Ohne große Eingewöhnungszeit war er da und zeigte seine Klasse.

Doch es sollte nicht zu einem Happyend gereichen. Erneut nach einer Ecke gelang den Kraichgauern das 3:2. Danach fiel die gelb-rote Karte für Darida auch nicht mehr ins Gewicht. Eine über den Spielverlauf und die Kartenarmut des Schiedsrichters gesehen harte Entscheidung. Doch auch mit zehn Mann versuchte Hertha weiter, noch zum erneuten Ausgleich zu kommen. Aber alles Hoffen half nichts und die Sinsheimer nahmen die drei Punkte heim.

Eine bittere Niederlage, die die Ostkurve nicht davon abhielt, die Mannschaft, die sich zurück ins Spiel gebissen hatte, zu feiern. Eine gute Basis für die kommenden Spiele im Pokal zuhause gegen Dresden und in der Liga auswärts bei Union.

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