DER HASS STECKT IM DETAIL

In seinem nächsten Kommentar lässt der “Hassadeur” Stephan Gerteis kein gutes Haar an der aktuellen Spielergeneration und fragt sich, wieso der DFB immer noch keinen neuen Präsidenten präsentieren kann. 

Der Antrieb allen Übels ist wie so oft das liebe Geld. Es treibt uns Menschen vor sich her. Peitscht uns durch die Gassen wie Stiere durch die engen Straßen Pamplonas. Das Ziel ist einfach, immer mehr zu haben.

Von dieser Getriebenheit ist besonders die Spezies “Fußballer” betroffen. Früher ging es noch darum sich zu profilieren und dann, nachdem man sich bewiesen hat, den großen Reibach machen zu können.

Heutzutage geht es nur noch um die Kohle. Manchmal wünsche ich mir, dass Fritz Walter als Geist aus seinem Grabe steigt, sich in die Schlafzimmer der heutigen Spielergeneration schleicht und ihnen, neben einer Standpauke, etwas von seinem Idealismus in ihre von Geld gesteuerten Gehirne imprägniert. Ihnen quasi die Vernunft beibringt.

Diese Generation von Fußballern heutzutage. Ich schäme mich für sie. Die Fußballer zu meiner Zeit waren leider auch keine Leuchten, aber man hat eines immer bei ihnen gesehen. Man hat gespürt, dass sie das Spiel lieben. Zudem haben Ende der 1980er Jahre, Anfang der 1990er Jahre, noch viele Fußballer zusätzlich einen Beruf erlernt. Somit war vielen noch mit Abstrichen das harte Leben außerhalb des Fussballkosmos ein Begriff. Sie konnten mit der Welt, in der sie lebten, etwas anfangen.

Lothar Matthäus hat Raumausstatter gelernt. Jürgen Klinsmann ist gelernter Bäcker. Fabian Boll ist Oberkomissar. Miroslav Klose lernte Zimmermann und Joachim Hopp hat noch unter Tage gearbeitet.

Die Neymars, Ronaldos, Harits, Riberys, Arnautovics usw. dieser Zeit, können die Welten, in denen sie leben, nicht mehr voneinander unterscheiden. Es sind heute Summen im Spiel: da wird einem ganz schwindelig und mulmig. 222 Millionen Euro für einen Spieler, der nach zwei Jahren in Paris schon wieder das Weite suchen möchte. Vereinstreue? Fehlanzeige!

Sie alle sind keine Vorbilder mehr für unsere Kinder. Höchstens in der Hinsicht, dass sie sportlich fit sind. Aber menschlich keineswegs.

Es geht ihnen fast allen nur noch um den kurzfristigen Hype. Darum, ihre eigene Person besser dastehen zu lassen. Nicht darum, etwas Nachhaltiges zu schaffen. Was hat man in letzter Zeit nicht alles an schlechten Nachrichten über unsere Weltklasse Fußballer gehört.

Hier ein paar Auszüge :

  • Lionel Messi: Verurteilter Steuerbetrüger
  • Christiano Ronaldo: Verurteilter Steuerbetrüger und Vergewaltigungsvorwürfe
  • Neymar: Vergewaltigungsvorwürfe
  • Marco Reus: Verurteilt wegen jahrelangen Fahrens ohne Führerschein
  • Benzema: Angeklagt wegen Bestechung
  • Armine Harit: Einen Menschen totgefahren und mit einer lächerlichen Strafe von weniger als 1000 Euro davongekommen

Diese Liste des Grauens ließe sich schier endlos fortsetzen.

Wo ist die Moral hin? Wo hat sie sich versteckt? Wir wissen es nicht.

Schrecklich ist auch diese ganze Marketinghysterie rund um den Fußball. Boateng präsentiert seine neueste Brillenmarke und macht Partys , Toni Kroos wird auf der großen Leinwand in Szene gesetzt mit “Kroos – der Film”, Ribery zeigt sich beim Verzehr von vergoldeten Edelsteaks und so weiter und sofort.

Nebenbei schlingert das DFB Schiff führungslos durch die Weltgeschichte und hat noch keinen Nachfolger für den in Ungunst gefallenen Reinhard Grindel gefunden. Es hagelt nur Absagen von potentiellen Nachfolgern. Es kursieren Namen wie der von Philipp Lahm oder Christoph Metzelder, aber es gibt nichts Konkretes. Vor allem gibt es keinen Plan wie man sich raus bewegen kann aus dem Sumpf, der immer und immer wieder aufs Neue in die Korruption führt. Es findet einfach kein Lernprozess statt. Selbst die Fehltritte von Herrn Grindel oder die immer noch nicht aufgeklärte Affäre um die gekaufte WM 2006 führen zu irgendeinem Umdenken.

Im Gegenteil: man hofiert auch noch mit Gianni Infantino einen der vermeintlich korruptesten Funktionäre des Weltfußballs und unterstützt diesen bei seiner absurden, durch Akklamation, herbeigeführten Wiederwahl.

Die Uhr tickt runter. Bald sind es nur noch 3 Jahre bis zur Winter_WM in Katar. Zu wenige interessieren sich für die inzwischen tausenden toten Gastarbeiter, die bisher beim Bau der Stadien (welche nach dieser WM nicht mehr genutzt werden) ihr Leben lassen mussten. Wo liegen eigentlich die Leichen dieser Namenlosen, die man unter falschen Versprechungen in ihre Todesfalle gelockt hat? Wer ist ihre Stimme? Lasst uns ihre Stimme sein! Boykottiert diese mit Blut erbaute WM des Wahnsinns. Wir werden es tun. NEIN ZUR WM IN KATAR!

Lasst uns anders sein!

Gehen wir zurück zum Ursprung. Zum Amateurfussball. Der uns noch durch seine Ehrlichkeit begeistern kann. Er schenkt uns Orte, an denen man das Gras noch riechen kann. Orte, an denen scheinbar die Zeit stehen geblieben ist. Solche Plätze, an denen die Bratwurst einem noch mit Liebe überreicht wird. Begegnungstätten, die einfach nicht perfekt sind und dadurch ihren Charme versprühen, dass nicht alles vollendet sein muss. Geht zum Amateurfussball, meine Lieben! Amen.

Und nicht vergessen. Hasst um, wieder Lieben zu können!

Stephan Gerteis ist der böse Cop und das subversive Gehirn von PLATTSPORT und leidenschaftlicher Fan des Amateurfußballs.

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