DACHSCHADEN IN BERLIN

Gastautor Johannes Maier ist freiberuflicher Autor der EishockeyNEWS und wirft einen Blick zurück auf die chaotische und unglückliche Saison des Eishockey-Drittligisten ECC Preussen aus Berlin-Charlottenburg.

Hinter den Charlottenburgern liegt eine abgedrehte Saison. Nicht nur das Dach war undicht.

Optimismus pur herrschte rund um den Glockenturm. Mit Uli Egen konnte ein renommierter Trainer verpflichtet werden und auch die Neuzugänge, allen voran Kyle Piwowarczyk, gaben Anlass von einer Pre-Playoff-Teilnahme zu träumen. Jakub Rumpel meldete sich nach fast einem Jahr Pause beschwerdefrei zurück und somit dachte niemand im Traum daran, an einer erfolgreichen Saison zu zweifeln. Doch es kam ganz anders und zwar knüppeldick. Am Ende der Spielzeit konnte man nur den letzten Platz vorweisen bei insgesamt 16 Punkten.

Die Oberliga-Saison 2018/19 begann unter schlechten Vorzeichen, als nämlich die allgemeine Neugier und Vorfreude auf eine neue Ära mit Uli Egen beim ersten Heimspiel jäh zerstört wurde: durch Einflüsse von oben. Nicht von so weit oben, dass man von einer Verschwörung ausgehen könnte, sondern nur vom Dach der Halle am Glockenturm. Das nämlich war undicht, es regnete schlicht und einfach nicht nur vor der Tür – sondern auch durch die Halle auf das Eis und andere Stellen. Das Spiel gegen die Moskitos Essen wurde nach dem Warmmachen komplett abgesagt und später am grünen Tisch mit null Punkten und fünf Gegentoren bewertet. So startete das Team aus der Bundeshauptstadt nach dem ersten Auswärtsspiel und der 3:7-Niederlage bei den Hannover Indians gleich mit einer schweren Hypothek in die Spielzeit 2018/19.

Der erhoffte Schwung eines möglichen Neubeginns ging gleich zu Saisonbeginn verloren und fiel buchstäblich ins Wasser. Aber auch andere Faktoren und Defizite müssen natürlich im Rückblick auf die abgelaufene Spielzeit in der Oberliga Nord betrachtet werden. Bei nur vier glatten Siegen in 48 Spielen musste die Mannschaft 322 Gegentore schlucken, ergo Abwehr nicht dicht. Die ersten Punkte gab es erst im fünften Spiel auswärts Anfang Oktober, als man in Erfurt bei den TecArt Black Dragons mit 3:2 in der Overtime gewinnen konnte. Doch wie so oft gab es im nächsten Spiel dann gleich wieder einen Nackenschlag. Die 1:9-Heimpleite gegen den Herner EV steht hier exemplarisch für eine nicht gelungene Oberliga-Saison. So mussten Fans und Umfeld des ECC Preussen Berlin bis zum 2. November 2018 warten, um den ersten richtigen Sieg innerhalb der regulären Spielzeit beim 5:2-Heimsieg über die Harzer Falken zu feiern. Dies sorgte scheinbar gleich für den Motivationsschub, der für ein 5:5 nur zwei Tage später bei den Tilburg Trappers notwendig war. Den zweiten Punkt holten die Gastgeber, die Schlagzeilen aber die Berliner.

Regelmäßig gab es nach dünn gestreuten Erfolgserlebnissen herbe Rückschläge. Haushohe Niederlagen wie ein 0:7 in Essen oder ein 0:8 in Duisburg, im Dezember das 2:10 bei den Hannover Scorpions oder im Januar 2019 die 1:12-Heimniederlage gegen den Herner EV sorgten für reichlich Trübsal am Glockenturm. Gerade in dieser Phase brachen alle Dämme, hier schlossen sich die 15 Gegentore bei keinem einzigen eigenen Treffer in Erfurt (0:7) und in Hamburg (0:8) nahtlos an. Die psychologische Wirkung als Tabellenletzter darf man nicht verkennen. Hier setzt eine Eigendynamik durch den ständig wiederkehrenden Misserfolg ein – verbunden auch mit den anderen Unwägbarkeiten innerhalb des Berliner Teams. So trennten sich schon sehr früh in der Saison die Wege des ECC Preussen Berlin und die von Marvin Tepper, Philip Reuter, Lucas Topfstedt und Marc Dunlop aus unterschiedlichen Gründen. Mit diesem Aderlass und weiteren, teils massiven, Verletzungsproblemen hatte der Club durchgehend zu kämpfen und so entwickelte sich am Ende der Saison nur noch ein Zweikampf mit den Harzer Falken um den letzten Platz. Doch der Kampf dagegen wurde verloren, zog zum Schluss bis auf einige Highlights wie den Karneval bei Preussen oder Aktionspreise auch nur noch wenige Zuschauer an den Glockenturm. Es gab einige Spiele, die auf des Messers Schneide standen und entweder erst nach aufopferungsvollem Kampf knapp verloren wurden oder sogar in Form eines Zählers und mehr erfolgreich gestaltet werden konnten. Auf der anderen Seite wurden Partien aber auch zu oft praktisch chancenlos bestritten, dilettantische Fehler in Abwehr oder Offensive traten zu Tage und das Preussen-Team fand zu selten passende Antworten im Geschehen auf Oberliganiveau. Der Berliner Trainer Uli Egen fand im Herbst des Jahres 2018 an einem kalten Novemberabend die aus seiner Sicht richtigen Worte: „Für einige Spieler ist das hier Urlaub in Berlin!“ Da hatte der ECC Preussen Berlin gerade ein Heimspiel gegen die Crocodiles Hamburg mit 4:8 verloren.

Natürlich gilt es nicht zu verkennen, dass die Charlottenburger von einer schier unglaublichen Verletzungsseuche heimgesucht worden sind. Jugend forscht durfte/musste mehr Oberligaluft schnuppern, als für die Greenhorns vorgesehen war.

Die Gemengelage im Westteil der deutschen Hauptstadt war also alles andere als für eine Etablierung in der Oberliga Nord oder gar das vor der Saison 2018/19 ausgegebene Ziel „Preplay-off-Teilnahme“ geeignet.

(jm)

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