Trotz einer Medaille bei der Europameisterschaft landete die Basketball-Nationalmannschaft der Männer nicht unter den ersten 20 Teams bei der Wahl zum „Sportler des Jahres“. Ein Skandal, findet unser Reporter Maximilian Konrad.

Fünf ausverkaufte Vorrundenspiele in der Lanxess-Arena in Köln, mit über 235.000 Zuschauern ein neuer Besucherrekord für eine Gruppenphase bei einer Europameisterschaft, Millionen Zuschauer vor dem TV und am Ende die erste Medaille bei einem internationalen Turnier seit 17 Jahren: Die Basketball-Nationalmannschaft der Männer löste im Frühherbst dieses Jahres eine Welle der Euphorie um das braune Leder aus. Kapitän Dennis Schröder zeigte sich als Star, der vorangeht und Youngster Franz Wagner zeigte sein unglaubliches Potential – eine Mannschaft, mit der sich viele identifizierten.  

Den Organisatoren der Wahl zum „Sportler des Jahres“ bliebt dieser Boom jedoch verborgen. Denn: Das Team um Trainer Gordon Herbert tauchte nicht auf der Liste der 20 Mannschaften auf, für die die Sportjournalisten abstimmen konnten. Der Grund: eine Formalie. „Bei den Listen nimmt man in der Regel Gold und Silber bei Europameisterschaften auf, jedoch nicht Bronze“, teilten die Veranstalter im Nachhinein. Zudem würden die Listen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.Zwar können auch Teams gewählt werden, die nicht auf der Liste stehen, dies geschieht aber sehr selten. Zur Mannschaft des Jahres 2022 wurden die Fußballer von Eintracht Frankfurt vor der 4×100 Meter Staffel der Frauen und der Frauen-Fußballnationalmannschaft gewählt.

Leider lässt die Vorgehensweise nur einen Schluss zu: Basketball ist und bleibt in Deutschland eine Randsportart. Ohne die Leistung der anderen Sportlerinnen und Sportler herabwürdigen zu wollen. Aber wenn man einen Blick auf die Top 20 der diesjährigen Liste wirft, ist doch fraglich, ob das Erreichte eines Teams sportlich höher einzuschätzen ist. Ein Beispiel: Das Turnteam der Frauen landete bei der Abstimmung auf Rang 12. Die Mannschaft hatte Bronze bei der Heim-EM geholt. Auch Bronze übrigens, kein Gold oder Silber, wie bei den Basketballern.

Schade. Mit der Nicht-Auflistung der Basketball-Nationalmannschaft wurde ein bedeutender Schritt für den Sport verpasst. Seit langem kämpft das Geschehen zwischen den Körben um Anerkennung – im TV, aber vor allem in der Gesellschaft. Nun wurde dem Sport ein weiterer Hieb in die Magengrube versetzt. Und da hilft es auch nicht, dass Klaus Dobbratz, Gründer der Sportpresse-Agentur „Internationale Sport-Korrespondenz“, die die Sportlerwahl organisiert und veranstaltet, nach der Wahl zur Nicht-Nominierung der Basketballer sagt: „Das war vielleicht die falsche Entscheidung und ist nicht optimal gelaufen.“ Die Chance ist vertan.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert